Test: Microsoft Lumia 950 XL mit Windows 10 Mobile

26.01.2016 18:30 von

Mit den Lumia-950-Geräten geht Microsoft neue Wege und will das Smartphone auch für Desktop-Aufgaben etablieren – eine Dockingstation mit Anschlüssen für Monitor und Peripherie machts möglich. Im Testbericht klären wir, ob dieses Konzept aufgeht und ob das Microsoft Lumia 950 XL auch als Smartphone überzeugt.

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Microsoft Lumia 950 XL Test

Technisch ist das Microsoft Lumia 950 XL auf dem aktuellen Stand. Das Phablet besitzt ein 5,7 Zoll in der Diagonale messendes AMOLED-Display mit der WQHD-Auflösung von 2.560 x 1.440 Pixeln. Im Inneren arbeitet ein Snapdragon 810-SoC von Qualcomm, das mit der vollen Taktfrequenz von 2 GHz arbeitet. Microsoft hat dazu 3 GB RAM und 32 GB internen Speicher verbaut, der bei Bedarf per microSD-Karte um bis zu 200 GB erweitert werden kann. Abzüglich des Betriebssystemes stehen dem Nutzer intern rund 26 GB zur freien Verfügung.

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Während das Lumia 950 optional zum gleichen Preis auch mit einer Dual-SIM-Funktion gekauft werden kann, fehlt diese leider beim deutschen Lumia 950 XL – mutmaßlich als Konzession an die Mobilfunkanbieter. Die Unterstützung für LTE und WiFi-ac gehören genauso zum Standard wie Bluetooth 4.1 und ein USB-Typ-C-Anschluss mit USB 3.1. Durch den neuen Anschluss erhält man nicht nur eine hohe Übertragungsrate für Daten und die Möglichkeit, neue Funktionen ausführen zu können, man kann das Smartphone mit 3.340-mAh-Akku auch schnell wieder aufladen. Optional lässt sich das Lumia auch kabellos per Induktion mit Energie versorgen.

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Microsoft hat insgesamt vier Mikrofone im Lumia 950 XL verbaut. Diese sorgen dafür, dass Störgeräusche beim Telefonieren sehr gut gefiltert werden. Sowohl bei normalen Telefonaten als auch Skype-Videocalls wurden wir im Testzeitraum immer sehr gut verstanden. Doch auch die Gesprächsqualität ist sehr gut. Der Empfang im 3G- und LTE-Netz war immer sehr zuverlässig. Getestet haben wir das O2- und T-Mobile Netz.

Verarbeitung des Microsoft Lumia 950 XL im Test: Fluch oder Segen Polycarbonat?

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Microsoft setzt beim Lumia 950 XL auf ein Gehäuse aus Polycarbonat. Den Kunststoff mit der matten und leicht gummierten Oberfläche hat das Unternehmen schon bei vielen Geräten verwendet. Grundsätzlich spricht nichts gegen den Einsatz, doch die Qualitätsansprüche für ein Flaggschiff-Smartphone zum Preis von 699 Euro werden leider nicht ganz erfüllt. Das liegt in erster Linie daran, dass die abnehmbare Rückseite an vielen Stellen leicht knarzt. Das Cover sitzt nicht ganz kompakt und erzeugt so im normalen Betrieb ungewollte Nebengeräusche. Leider sammelt sich auch an vielen Stellen in den Zwischenräumen relativ schnell Schmutz an.

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Insgesamt liegt das 5,7 Zoll große Smartphone aber hervorragend in der Hand. Die Rückseite ist leicht abgerundet und die leichte Gummierung sorgt für einen sicheren Halt. Bei Maßen von 151,9 x 78,4 x 8,1 mm und 165 Gramm ist es weder zu massiv, noch zu schwer für ein 5,7 Zoll großes Phablet mit einem so großen Akku. In dem Fall hat Microsoft gute Arbeit geleistet.

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Ein Rahmen aus Aluminium wie beim Lumia 930 hätte einen etwas hochwertigeren Eindruck schaffen können. Zudem fehlen uns die Farben: Lumia-Smartphones waren auffällig und anders, weil Nokia immer farbenfrohe Geräte gebaut hat. Microsoft verzichtet darauf: Das Lumia 950 XL gibt es nur in „langweiligem“ Schwarz und Weiß. Will man andere Farben oder Materialien haben, muss man zu Rückschalen von Drittanbietern greifen. Das Angebot ist aktuell aber überschaubar.

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Lautsprecher auf der Rückseite

Microsoft verbaut den Lautsprecher des Lumia 950 XL auf der Rückseite, direkt neben der Kamera. Der Klang und die Lautstärke, die damit erzeugt werden, sind zwar gut, doch die Ausgabe nach hinten sorgt immer dafür, dass man die Lautstärke deutlich höher stellen muss als nötig. Dreht man das Smartphone plötzlich um, oder legt es auf den Tisch, wodurch der Schall umgelenkt wird, ist es immer deutlich zu laut eingestellt. Kurzum: Lautsprecher an der Front wären optimal. Verdecken lässt sich der Lautsprecher mit dem Finger aber kaum. Über einen Equalizer lässt sich systemweit der Ton an die jeweiligen Bedürfnisse anpassen.

Microsoft Lumia 950 XL Windows 10 Mobile Equalizer

Iris-Scanner für Windows Hello (Beta)

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Der Iris-Scanner mit Infrarot-Kameratechnologie ist über dem Display angebracht und kann zur Anmeldung per „Windows Hello“-Feature genutzt werden. Die Funktion ist zwar integriert, wird aktuell aber noch als Beta bezeichnet. Für die hundertprozentige Funktion wird also nicht garantiert. Die Erfahrungen, die wir damit gemacht haben, sind aber äußerst positiv. Die Anmeldung klappt zu 85%, wenn man sich an bestimmte Regeln hält.

Zunächst einmal muss Windows Hello über die Einstellungen eingerichtet werden. Dazu muss man erst einen PIN festlegen, den man alternativ eingeben kann, wenn man nicht erkannt wird. Danach werden die Augen abgescannt. Brillenträger wie ich müssen die Brille bei der Einrichtung abnehmen. Die Anmeldung klappt dann aber auch mit Brille – wenn diese nicht getönt ist. Im Freien mit Sonnenbrille klappt es entsprechend nicht.

Wurde Windows Hello erfolgreich eingerichtet, kann die Nutzung direkt beginnen. Über den Power-Button an der Seite wird das Smartphone aufgeweckt und der Iris-Scanner sucht sofort nach dem Nutzer. Wichtig ist, dass man das Lumia 950 XL ruhig hält und den Kopf auch nicht zu sehr bewegt. Weiterhin muss der Abstand stimmen: 15 bis 20 cm vom Gesicht sind optimal. So klappt die Anmeldung auch schnell. Es sieht aber recht komisch aus, wenn man sich im Freien das Smartphone so nah vor das Gesicht hält. Trotzdem haben wir die Funktion genutzt, da es in einigen Situationen sehr praktisch war.

Bei Brillenträgern treten besonders am Abend öfter Spiegelungen auf den Gläsern auf, die den Einsatz des Scanners erschweren. Spiegelt sich z.B. der Fernseher im Dunkeln auf der Brille, kann die Iris nicht immer erkannt werden. Nimmt man die Brille hingegen ab, funktioniert es auch im Dunkeln relativ zuverlässig.

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Das Display des Lumia 950 XL im Test

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Das Display ist bei einem Smartphone mit die wichtigste Komponente. Microsoft hat sich erneut für ein AMOLED-Panel entschieden, das mit der WQHD-Auflösung von 2.560 x 1.440 Pixeln ausgestattet ist. Dadurch ergibt sich eine Pixeldichte von 518 ppi.

Im Auslieferungszustand ist die Darstellung recht warm gewählt. Weiße Inhalte besitzen somit einen sichtbaren Gelbstich, was besonders auffällt, wenn man es beispielsweise neben ein Lumia 550 hält, dessen LCD-Display einen deutlich besseren Weißwert besitzt. In den Einstellungen lässt sich das Farbprofil aber ändern. Die ins Bläuliche tendierende Voreinstellung „Kalt“ gefällt uns da schon deutlich besser. Optional kann man mit den erweiterten Einstellungen auch mit drei Schiebereglern festlegen, wie die Darstellung ausfallen soll. Eine wirklich perfekte Darstellung haben wir so aber auch nicht hinbekommen. Die Farben wirkten mit einer wärmeren Darstellung zwar angenehmer, dann passte aber der Weißwert wieder nicht. Hier kommt es immer ganz auf den persönlichen Geschmack an.

Microsoft Lumia 950 XL Windows 10 Mobile Anzeige Microsoft Lumia 950 XL Windows 10 Mobile Bildschirm Farbprofil

Das ändert aber leider nichts daran, dass die Blickwinkelstabilität nicht ganz so toll ausfällt. Veränderung in der Farbdarstellung und der typische Blaustich für ein AMOLED-Panel wird sichtbar. Im Vergleich zum Display des Huawei Mate S hat das Lumia 950 XL leider den Kürzeren gezogen. Auffällig ist auch, dass sich relativ schnell Schmutz auf der Oberfläche ansammelt. So muss man das Display öfters putzen.

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Sehr positiv ist hingegen der Lichtsensor kalibriert. Wir haben das Lumia 950 XL bei 50%-Helligkeit und automatischer Regelung genutzt. Die Helligkeit war in jeder Lichtsituation sehr angenehm und nie zu hell oder dunkel. Besonders im direkten Sonnenlicht konnte man das Display sehr gut ablesen. Dieses wird von Gorilla Glass 4 geschützt, wodurch Spiegelungen gemindert werden sollen. Zudem hat Microsoft eine Funktion mit der Bezeichnung „Lesbarkeit bei Sonnenlicht“ integriert. Aktiviert man diese Einstellung, kann das Display im direkten Sonnenlicht tatsächlich besser abgelesen werden. Haben wir besonders gemerkt, als wir Fotos gemacht haben.

Das Lumia 950 XL im Performance-Test

Microsoft setzt beim Lumia 950 XL auf das Snapdragon-810-SoC mit 8 Kernen, dessen wohlbekannte Hitzeproblematik aber über spezielle Heatpipes in Schach gehalten wird. Die Wärmeentwicklung unter Last, z.B. beim Spielen, ist dementsprechend nicht so stark wie befürchtet. Chip und Smartphone werden zwar etwas warm, das liegt jedoch absolut im Rahmen und ist vergleichbar mit oder gar besser als andere Geräten, die auf diesen Chip setzen.

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Die Performance unter Windows 10 Mobile ist gut. Apps werden schnell gestartet, Funktionen schnell ausgeführt und Berechnungen von Bildern oder Videos zügig umgesetzt. Hier und da gibt es kleine Nachdenksekunden, die aber eher an Windows 10 und nicht an der verbauten Hardware liegen. Die 3 GB RAM sind zudem absolut ausreichend, um schnell zwischen mehreren Anwendungen wechseln zu können. Windows 10 Mobile ist als solches bereits sehr performant, was man besonders bei Geräten am unteren Leistungsspektrum wie dem Lumia 550 mit einem Snapdragon 210. Trotzdem merkt man natürlich an vielen Stellen, dass es sich um ein High-End-Smartphone mit deutlich besserer Hardware handelt.

In einigen Spielen sind uns trotzdem Ruckler aufgefallen. Generell laufen Casual Games wie Angry Birds flüssig. Auch die Spiele von Gameloft wie Modern Combat 5 laufen auf höchsten Einstellungen und mit allen Effekten. Bei Dead Trigger 2 sieht es da schon etwas schlechter aus: selbst mit mittleren Einstellungen ruckelt es hier und da etwas. Es werden auch durchgängig nicht die benötigten Frames pro Sekunde erreicht, um ein gutes Spielvergnügen zu garantieren. Das liegt aber wohl am Spiel und nicht an der Hardware, was natürlich bedauerlich ist.

Akku und Laufzeit des Lumia 950 XL im Test

Das Microsoft Lumia 950 XL kommt mit einem 3.340-mAh-Akku, der für eine hohe Laufzeit sorgen soll. Die Rückseite ist abnehmbar und der Akku kann bei Bedarf ausgetauscht werden. Wir kamen auf eine Nutzungszeit von 1,5 Tagen bei normaler Nutzung. Selbst bei intensiver Nutzung hielt das Smartphone locker mehr als einen Tag durch.

Microsoft Lumia 950 XL Windows 10 Mobile Bildschirm Blick

Besonders erfreulich ist der geringe Verbrauch im Ruhezustand. Auch die Funktion „Blick“ benötigt bei einem AMOLED-Display nicht viel Energie. Wir haben in den Einstellungen trotzdem festgelegt, dass das Display nach 30 Sekunden ausgeschaltet wird. Hält man kurz die Hand über das Display, wird Blick aktiv und zeigt Informationen wie die Uhrzeit, das Datum und Icons für Nachrichten an.

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Microsoft liefert einen Schnellladeadapter mit USB-Typ-C-Kabel mit. Dank des neuen Standards man sich keine Sorgen machen, wie man das Kabel einstecken muss, dafür lassen sich die wesentlich verbreiteteren microUSB-Kabel nicht zum Laden nutzen. Voll aufgeladen ist der Akku in 115 Minuten von 5 % auf 100 %. Alternativ kann man das Smartphone auch per Induktion aufladen, Microsoft setzt hier auf die Qi-Technologie. Die Ladezeit ist hier wie gewohnt deutlich länger, dafür spart man sich das übliche Kabelgewusel.

Die Kameras im Lumia 950 XL

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Das Erste, was wir mit dem Lumia 950 XL nach dem Auspacken und Einrichten gemacht haben, sind natürlich Fotos. Die 20-MP-Hauptkamera mit PureView-Technologie, Zeiss-Optik, f/1.9-Blende und 1/2,4 Zoll großem Sensor verspricht eine gute Qualität und dürfte einer der wichtigsten Kaufgründe für dieses Smartphone sein. Die Erwartungen waren also groß – und wurden auch nicht enttäuscht.

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Microsoft hat dem Lumia 950 XL an der Seite einen dedizierten Kamera-Knopf mit zwei Druckpunkten spendiert. Drückt man diesen im Ruhezustand, startet direkt die Kamera, und man verpasst keinen Moment mehr. Der optische Bildstabilisator leistet gute Arbeit. Trotzdem sollte man im Dunkeln nicht zu sehr wackeln, durch die höheren Belichtungszeiten kann es da im automatischen Modus durchaus zu Unschärfen kommen. Insgesamt werden die Fotos aber sehr gut. Sowohl der automatische als auch der manuelle Fokus arbeitet zuverlässig und präzise.

Microsoft Lumia 950 XL Kamera-Manuell

Für fortgeschrittene Nutzer bietet Microsoft in der Kamera-App aber auch einen manuellen Modus. Dort lassen sich der Weißabgleich, Fokus, ISO-Wert, die Verschlusszeit und die Helligkeit individuell je nach Situation einstellen. Durch die erweiterten Einstellungen kann man zum Beispiel auf einem Stativ mit einer höheren Belichtungszeit von bis zu 4 Sekunden teilweise deutlich mehr aus einer Situation herausholen.

Microsoft Lumia 950 XL Kamera_Artikel

Hier muss man sich einfach die Zeit nehmen und etwas mit den Einstellungen spielen. So gelingen sowohl Schnappschüsse im automatischen Modus, als auch wirklich gute Fotos mit manuellen Einstellungen.

Positiv anzumerken ist auch der Triple-LED-Blitz für die Kamera. Dieser sorgt für eine sehr natürliche Ausleuchtung und eine extrem hohe Lichtausbeute. Objekte werden in dunklen Situationen so gut wie nie überbelichtet. Es lässt sich auch ein größerer Raum beleuchten, wenn es die Situation erfordert.

Microsoft Lumia 950 XL Kamera-Einstellungen Microsoft Lumia 950 XL Kamera-Einstellungen-Video 4K

Die PureView-Kamera nimmt aber nicht nur Fotos auf, sondern kann auch Videos mit bis zu 4K und 30 fps aufzeichnen. Full HD-Videos werden auch mit 60 fps unterstützt, wodurch diese noch etwas flüssiger wirken. Der optische Bildstabilisator und der Fokus leisten auch hier gute Arbeit. Setzt man keinen manuellen Fokus, wird die Schärfe bei Bewegungen zuverlässig angepasst. Man kann im Video aber auch einfach einen Bereich antippen, um den Fokus darauf zu setzen. Das funktioniert sehr präzise und schnell.

Lumia 950 XL frontkamera

An der Front wurde eine 5-MP-Kamera verbaut, die Full HD-Videos aufzeichnen kann. Die Objektverfolgung sorgt dafür, dass Gesichter bei Selfies immer scharf bleiben. Durch die Blende von nur f/2.4 ist die Lichtausbeute aber nicht so hoch. Auf einen Front-LED-Blitz hat Microsoft auch verzichtet. Für Schnappschüsse zum Teilen oder Videotelefonie reicht die Kamera aber vollkommen.

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So gut der verbaute 20-MP-Sensor auch ist, so bedauerlicher ist es, dass der Funktionsumfang der Kamera-App so gering ist. Es lassen sich zwar Videos in Zeitlupe aufnehmen, doch Filter oder Zeitraffer-Videos sind nicht wählbar. Erst nachträglich lassen sich die Fotos im Lumia Creativ Studio bearbeiten. Zudem entscheidet das Smartphone selbst, wann man ein HDR-Bild erstellt. Für Videos gilt das aber nicht.

Windows Continuum

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Neben dem Microsoft Lumia 950 XL haben wir auch das Display Dock zum Test erhalten. Microsoft hat mit Continuum für Smartphones eine interessante Funktion integriert, mit der man sein Lumia 950 praktisch in einen PC verwandeln kann. Auf einem größeren Bildschirm lässt sich dann ein Desktop nutzen und die Universal Apps können wie an einem PC bedient werden.

Continuum für Smartphone lässt sich zwar auch kabellos per Miracast nutzen, die Verzögerung ist aber so hoch, dass die Eingaben mit einer Sekunde Zeitunterschied durchgeführt werden. Das kann man akzeptieren, wenn man beispielsweise Bilder zeigen, Musik hören oder einen Film schauen möchte, da der Ton dann auch verzögert ausgegeben wird. Wirklich produktiv arbeiten lässt sich so aber nicht.

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Mit dem Display Dock funktioniert es aber wie gewollt. Der größere Bildschirm wird per HDMI oder DisplayPort an das Dock angeschlossen. Dieses muss mit dem beiliegenden USB-Typ-C-Adapter mit Energie versorgt werden. So erhält auch das Lumia 950 XL Energie und wird während der Nutzung aufgeladen. Eingabegeräte oder externe Datenträger lassen sich per USB anschließen und ansprechen. So kann man dann wie an einem Windows-PC arbeiten.

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Microsoft Office und viele andere Apps sind schon für Continuum angepasst. Man bekommt ein Startmenü mit dem Startbildschirm des Smartphones und kann Anwendungen wie Microsoft Edge wie an einem Desktop nutzen. Die Performance ist sehr gut. Es gibt keine Verzögerungen.

Leider sind nicht alle Apps automatisch per Continuum nutzbar. Alles, was auf dem Smartphone installiert aber nicht unterstützt wird, wird leicht ausgeblendet. Das betrifft in erster Linie auch Spiele. Schade eigentlich, denn auf einem größeren Bildschirm ließe sich natürlich auch sehr gut spielen.

Windows Continuum befindet sich als Feature noch am Anfang der Entwicklung. Es fehlt echtes Multitasking, mit dem man zwei oder mehr Anwendungen zur gleichen Zeit bzw. in Fenstern anzeigen kann – dann könnte man es tatsächlich als echten Desktop bezeichnen. Ansonsten ist die Funktion toll und wird hoffentlich weiterentwickelt. Wer das Lumia 950 XL bis Ende Januar kauft, erhält das Display Dock im Wert von knapp 110 Euro noch kostenlos dazu.

Software des Lumia 950 XL im Test: Windows 10 Mobile

Microsoft Lumia 950 XL Windows 10 Mobile Benachrichtigungen Microsoft Lumia 950 XL Windows 10 Mobile Startbildschirm

Ist Windows 10 Mobile bereits fertig entwickelt? Diese Frage darf man durchaus zurecht stellen, denn während die Lumia 950 und Lumia 950 XL Smartphones schon auf den Markt kamen, lief die Entwicklung noch. Auch jetzt steht der Termin für die finale Version noch nicht und die Updates für Windows Phone 8.1 Smartphone lassen weiterhin auf sich warten.

Wir haben das Microsoft Lumia 950 XL mittlerweile mehrfach aktualisiert und merken von Version zu Version, dass das Betriebssystem „fertiger“ wird. Es gibt aber trotzdem hier und da noch Hänger und Abstürze, die sich nur mit einem Neustart wirklich richten lassen.

Die Performance des Betriebssystems in Verbindung mit dem Snapdragon 810 und den 3 GB RAM ist hervorragend. Apps öffnen sich schnell, Microsoft Edge arbeitet zuverlässig und auch der Wechsel zwischen Anwendungen klappt gut. Doch dazu braucht es gar keinen 8-Kern-Prozessor, das funktioniert auch schon auf dem Lumia 550 mit Snapdragon 210 ziemlich gut. Der Snapdragon 810 ist im Grunde für zusätzliche Funktionen verbaut – das Betriebssystem läuft auf jeder Hardware sehr schnell.

Microsoft Lumia 950 XL Windows 10 Mobile Bildschirm Blick Microsoft Lumia 950 XL Windows 10 Mobile Einstellungen

Wie viele andere Hersteller hat auch Microsoft Apps von Drittanbietern vorinstalliert. Dazu zählen z.B. Apps wie Amazon, Audible, Candy Crush Saga, Expedia, Fitbit, Netflix, Shazam, Sky Online, SkyGo und Xing. So etwas muss eigentlich nicht sein, immerhin lassen sich die Anwendungen wieder deinstallieren.

Der Windows Store ist mittlerweile gut gefüllt, es fehlen aber immer noch Apps, die unter Android oder iOS weit verbreitet sind und somit eigentlich unter Windows 10 Mobile nicht fehlen dürften. Wer von Android kommt und Google-Apps erwartet, der wird enttäuscht sein. Dafür bietet Microsoft aber Alternativen an und Google.Mail-Konten lassen sich natürlich trotzdem nutzen. Apps für Facebook, WhatsApp usw. sind vorhanden und die Benachrichtigungen in Windows 10 klappen super. Wer von Windows Phone 8.1 kommt, wird sich kaum umstellen müssen.

Lumia Offers Office 365

Als kleines Bonbon erhalten Microsoft Lumia 950 und Lumia 950 XL Käufer bis zum 30. Juni 2016 ein Jahr Office 365 kostenlos. Im Zuge dessen werden auch 1 TB OneDrive-Speicher zur Verfügung gestellt.

Microsoft Lumia 950 XL: Technische Daten

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Display 5,7 Zoll AMOLED-Panel mit 2.560 x 1.440 Pixel (WQHD)
Betriebssystem Windows 10 Mobile (Version: 1511 – Build 10.0.10586.29)
Prozessor Snapdragon 810 8-Kern-SoC mit Adreno 530 GPU
Arbeitsspeicher 3 GB RAM
Interner Speicher 32 GB + microSD-Slot (maximal 200 GB)
Hauptkamera 20 MP PureView-Sensor mit Zeiss-Optik, f/1.9 Blende, optischem Bildstabilisator, Triple-LED-Blitz und 4K-Videofunktion mit 30 fps
Frontkamera 5 MP mit f/2.4 Blende und FullHD-Videofunktion
Akku 3.340-mAh-Akku (wechselbar)
Abmessungen 151,9 x 78,4 x 8,3 mm
Gewicht 165 Gramm
Besonderheiten Kabellose Ladefunktion (Qi-Standard), USB-Typ-C-Anschluss mit Schnellladefunktion, Windows Continuum, Iris-Scanner, Windows Hello

Testfazit zum Microsoft Lumia 950 XL

Das Microsoft Lumia 950 XL überzeugt im Test insgesamt. Für Anhänger des Windows-Betriebssystems auf mobilen Plattformen ist es das lang ersehnte Flaggschiff-Smartphone, das alle Erwartungen erfüllt: Das Lumia 950 XL bietet hohe Performance, viele nützliche Funktionen, eine lange Akku-Laufzeit und eine hervorragende Kamera. Für andere dürften diese Eigenschaften zwar auch interessant sein, doch die Qualitätsansprüche an ein Gehäuse aus Kunststoff werden bei einem Preis von 699 Euro nicht erfüllt. Windows 10 Mobile wirkt zudem immer noch unfertig. Wenn der Preis mit der Zeit sinkt und die Softwarefehler beseitigt werden, dürfte auch das Interesse bei weniger beinharten Windows-Fans steigen.

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Unsere Test-Wertung zum Microsoft Lumia 950 XL

Microsoft Lumia 950 XL
Befriedigend
77%
01/2016
Preis: 699€ Das Lumia 950 XL kann im Test mit einer guten Kamera punkten. Mängel zeigen sich aber bei der Verarbeitung und der noch nicht finalen Software.
Vorteile- Gute Kamera
- Performance
- Akkulaufzeit
- USB-Type-C
Nachteile- Verarbeitungsqualität & Schmutzanfälligkeit
- Windows 10 Mobile noch nicht final
- Recht teuer
- Keine Dual-SIM-Funktion

Haptik / Verarbeitung 6 Display 6 Kamera 10 Software 8 Performance 8 Konnektivität 8 Akku und Alltag 8