Review: LG G Flex im Test

24.03.2014 18:59 von Franz
G Flex Beitragsbild

Flexible Displays für Smartphones wurden schon vor einiger Zeit auf diversen Handymessen gezeigt. Zu wirklich marktreifen Endprodukten kam es aber nie wirklich. Umso größer war der Hype, als Samsung und LG im Oktober 2013 mit dem Galaxy Round bzw. dem G Flex nahezu zeitgleich ein erstes Smartphone mit flexiblem Display vorgestellt haben. Während Ersteres allerdings noch immer nicht den Weg nach Europa gefunden hat, ist das G Flex seit wenigen Wochen auch in Deutschland offiziell verfügbar. Wir haben uns das G Flex in den letzten Wochen etwas genauer angeschaut und dabei gefragt, ob und wenn ja was genau das flexible Display im Alltag bringt. Zu welchem Ergebnis wir gekommen sind, lest ihr in unserem ausführlichen Test.

Testgerät: LG G Flex 32GB – Preis ab ca. 539€ bei Amazon | Notebooksbilliger
Software: Android 4.2.2 mit LG Optimus UI

LG G Flex Video und Bilder:

(Link zum YouTube-Video)

Hardware

G Flex Back

Rein von den Gehäuse-Materialien her erinnert das LG G Flex sehr stark an das G2. Die Rückseite besteht auf den ersten Blick aus gewöhnlichem grau-beigen Polycarbonat in Hochglanzoptik, der Rahmen hingegen ist matt gehalten. LG bewirbt das Ganze allerdings als „Wolverine-Back“. Wie der Name schon andeutet, soll die Rückseite des G Flex selbstheilend sein. Konkret bedeutet dies, dass bei ca 28 Grad Celsius ein etwa 0,75mm tiefer Kratzer innerhalb von 5 Minunten verschwindet. Gehen die Kratzer tiefer, bleiben sie dauerhaft.
Prinzipiell gilt hier bis zu einem gewissen Grad: Je wärmer, desto besser.
Diese neuartige Technologie hat uns überrascht und richtig gut gefallen, wir hoffen, dass LG diese noch weiter verbesserrt.

Auch in Sachen Wertigkeit erinnert das G Flex sehr stark an das G2. Es setzt hier also definitiv keine Maßstäbe und wir hätten uns hochwertigere Materialien bzw. eine matte Rückseite gewünscht, die nicht so anfällig für Fingerabdrücke ist. Die Verarbeitung ist ordentlich. Tasten sitzen alle sehr fest und haben einen guten Druckpunkt. Dem Gehäuse kann man ab und an, gerade wenn man es verbiegt, ein leichtes Knarzen entlocken – das ist unter diesen Umständen aber vermutlich normal.

G Flex Biegung 1

Das G Flex misst 160,5mm x 81,6mm und gehört damit zweifelsohne zu den größeren Phablets auf dem Markt. Gerade durch die konkave, nach innen gebogene Bauform liegt es allerdings merkbar besser als ein Nokia Lumia 1520 oder HTC One Max in der Hand. Bereits hier macht sich das flexible Display also auch im Alltag äußerst positiv bemerkbar.
Außerdem ist das G Flex 8,7mm dünn und wiegt 177g. Das Gewicht hat uns im Test nicht gestört, es passt zum Design und den Abmessungen. Gut gefallen hat uns, dass LG auch hier wieder versucht hat, die Displayränder möglichst klein zu halten.

Auf der linken Seite des LG G Flex befindet sich lediglich der Einschub für den Micro-SIM-Schlitten. Auf der Unterseite platziert LG den Micro-USB-Anschluss, ein erstes Miktofon, sowie den 3,5mm-Klinkenanschluss. Während die rechte Seite komplett blank gehalten ist, findet man oben nur noch ein weiteres Mikrofon.
Ähnlich wie schon beim G2 befinden sich also auch beim G Flex die Lauter/Leiser-Wippe und der Power-Button, der gleichzeitig als Benachrichtigungs-LED fungiert, auf der Rückseite.
Nachdem uns dieses Konzept schon beim Test des G2 gefallen hat, hat es uns beim G Flex komplett überzeugt.
Trotz der enormen Ausmaße konnten wir alle Tasten immer schnell und problemlos erreichen – das ist klasse.

G Flex Tasten

Auf der Rückseite befindet sich außerdem noch die 13 Megapixel Hauptkamera, eine Foto-LED, ein Infrarot-Port zum Fernsteuern eures Fernsehers etc. und der Lautsprecher. Dieser hat uns relativ gut gefallen. Die Positionierung ist zwar etwas suboptimal, er ist aber ziemlich laut und auch der Sound ist extrem klar.
Der 3500mAh starke Akku ist fest verbaut und der 32GB große, interne Speicher kann leider nicht erweitert werden.
Effektiv stehen euch hier ab Werk etwa 24GB zur Verfügung.

G Flex Front

Auf der Vorderseite findet man lediglich eine 2,1 Megapixel Frontkamera und eine Benachrichtigungs-LED – das G Flex setzt nämlich auf OnScreen-Tasten.
Sowohl WLAN- als auch Mobilfunkempfang haben uns im Test sehr gut gefallen. Die Sprachqualität ist ordentlich, teilweise klang der Gegenüber aber etwas blechern.
Das LG Flex gibt es nur in einer Version mit den bereits erwähnten 32GB an internem Speicher zu einem Preis von momentan etwa 540€.

Wie flexibel ist das G Flex wirklich?

G Flex Biegung 3

Trotz selbstheilender Rückseite und besserem Handling durch das gebogene Display zwingt sich aber natürlich die Frage auf, ob das G Flex nun wirklich flexibel ist. Und ja, in gewisser Weise ist es das durchaus. Legt man das G Flex mit dem Display nach unten auf die Straße oder einen Tisch, kann man es so lange „platt drücken„, bis das gesamte Display den Boden berührt.
Recht viel mehr ist zwar aufgrund einiger noch nicht flexibler Hardwarekomponenten nicht möglich, alleine das hat uns aber anfangs schon ziemlich beeindruckt und funktionierte im Test mehrmals ohne Probleme.

G Flex Biegung 2

Ob das Ganze im Alltag nun wirklich einen Vorteil bringt, muss wohl jeder für sich selbst entscheiden. Dass das G Flex dadurch aber merkbar stabiler als andere Smartphones ist, halten wir für einen großen Vorteil.
Dass flexible Smartphones noch in den Kinderschuhen stecken, sollte klar sein, aber das G Flex zeigt ganz gut, was momentan (in Massenfertigung) möglich ist.
In der seitlichen Hosentasche stört das G Flex übrigens überraschenderweise kaum, in die Gesäßtache passt es aufgrund der Form jedoch noch besser.

Display

G Flex Display 1

LG setzt beim G Flex auf ein sogenanntes POLED-Display. OLED-Displays in Smartphones sind nichts wirklich neues, das „P“ vor dem OLED allerdings schon. Dieses steht für „Plastic“ und verrät schon, dass das flexible Panel aus Kunststoff besteht. Es hat eine Diagonale von 6 Zoll und löst mit 1280×720 Pixeln bei 245ppi auf.
Anders als es Samsung bei vielen seiner AMOLED-Displays macht, setzt LG hier aber auf eine normale RGB Matrix mit 3 Subpixeln und nicht auf eine PenTile-Matrix mit nur 2 Subpixeln.

Unsere im Vorfeld größte Sorge war, dass die Darstellung aufgrund der vergleichsweise geringen Pixeldichte etwas grobkörnig und ausgefranst wäre. Hier wurden wir allerdings größtenteils positiv überrascht. Meist, beispielsweise beim Schauen von Videos oder beim Betrachten von Bildern, fällt die geringe Pixeldichte kaum negativ auf. Beim Lesen von E-Eails, aufwändigen PDF-Dateien oder beim Surfen stört die Auflösung hingegen schon.
Gerade wenn man hier schärfere Displays gewöhnt ist, wirkt Text oft ausgefranst und etwas unscharf.

G Flex Blickwinkel

In Sachen Farbdarstellung kann das Display durchaus überzeugen. Es gibt die zwei Anzeigemodi „Standard“ mit relativ realistischer Darstellung, sowie „Lebendig“ mit sehr lebhaften und intensiven Farben. Was einem hier besser gefällt, kann man also dementsprechend auswählen.
Der Weißwert ist OLED-typisch dem von vergleichbaren LC-Display unterlegen, der Schwarzwert ist dafür nahezu perfekt.

In Sachen Helligkeit waren wir leider etwas enttäuscht. Gerade an sonnigeren Tagen könnte es etwas problematisch werden, alle Inhalte vom Display abzulesen. Hier gerät die Technologie dann wohl doch an ihre Grenzen.
Die Blickwinkelstabilität ist ordentlich.

G Flex Display 2

Gerade beim Surfen im Landscape-Mode, beim Betrachten von Bildern oder beim Schauen von Videos kommt noch ein weiterer Vorteil des gebogenen Displays zum Tragen: Es entsteht eine Panorama-Perspektive und teilweise ein leichtes „Kino-Feeling“ – das hat uns ebenfalls gut gefallen.

Uns wurde bereits im Vorfeld mitgeteilt, dass das Display unseres G Flex Ghosting- und Banding-Probleme hat. Einige Kollegen, die das G Flex ebenfalls testen oder getestet haben, hatten hier ähnliche Probleme. Andere wiederrum hatten diese nicht. Hier sollte man beim Kauf also definitiv aufpassen.

Performance

G Flex Display

Im Inneren des G Flex werkelt der Qualcomm Snapdragon 800, ein Quad-Core Prozessor mit 2,26GHz je Kern. Dieser wird von 2 GB RAM unterstützt.
Die Performance an sich ist wirklich gut. Egal ob auf dem Homescreen oder beim Starten von Apps: Ruckler und Verzögerungen gibt es trotz der sehr aufwändigen UI kaum.

Lediglich im Browser treten bei aufwändigeren Seiten teilweise leichte Micro-Ruckler und Verzögerungen auf – das störte etwas.
Die Gaming-Performance hingegen ist super. Selbst aufwändige Spiele wie Modern Combat 4 oder Dead Trigger konnten wir ohne Probleme und in sehr guter Grafik spielen. Auch hier macht das Display eine gute Performance.

Wie sich das G Flex in den bekanntesten Benchmarks geschlagen hat, seht ihr in der folgenden Übersicht:

Google Nexus 5 Sony Xperia Z1 Galaxy S4 HTC One LG G2 LG G Flex
Vellamo HTML-5 1487 2888 2121 2408 2898 2979
Quadrant Standard Benchmark 8917 17890 12605 12323 19465 20129
Antutu 22800 32782 25208 24588 35728 36167
SunSpider 723,0ms 774,1ms 1098,0ms 941,3ms 979,4ms 791,9ms
Peacekeeper: 843 850 593 700 849 850

Akku

G Flex Wolverine

Der fest verbaute Akku des LG G Flex hat, wie bereits erwähnt, eine Kapazität von 3500mAh. Dieser ist unser persönliches Highlight.

Wir haben das G Flex unter anderem auf der CeBit, sprich im Messealltag, benutzt. Hier kann man normalerweise schon zufrieden sein, wenn das Smartphone irgendwie den Tag übersteht. Beim G Flex hatten wir aber am Ende des Tages noch immer 30-40% Restkapazität. An normalen Tagen waren es gar um die 50%. Mit diesem Phablet ist es tatsächlich problemlos möglich, selbst bei intensiver Nutzung, eineinhalb bis zwei Tage Laufzeit zu schaffen.
Die vergleichsweise geringe Helligkeit und die niedrige Auflösung dürften sich also vor allem bei der Akkulaufzeit sehr positiv bemerkbar machen.

All die oben genannten Werte wurden bei 55% – 75% Displayhelligkeit gemessen.

Kamera

G Flex Kamera

Die Hauptkamera des G Flex löst mit 13 Megapixeln auf und wird von einer Foto-LED unterstützt. Leider hat man, anders als beim G2, auf einen optischen Bildstabilisator verzichtet. Das geht etwas zu Lasten der Bildschärfe. Dafür kann das G Flex Videos in 4k aufnehmen.

Die Bildqualität an sich hat uns aber wirklich überzeugt. Bei guten Lichtbedingungen können die Aufnahmen des G Flex vor allem in Sachen Farbechtheit überzeugen. Bei schlechteren Lichtbedingungen macht das G Flex im Zusammenspiel mit dem Nachtmodus einen ganz guten Eindruck, mit einem Lumia 1020 oder dergleichen kann es hier aber nicht konkurrieren.

Die Kamera-UI bzw. der Funktionsumfang von dieser wurden auch nahezu 1:1 vom G2 übernommen. Es gibt zahlreiche verschiedene Modi für allerlei Anwendungsszenarien. Neben einem Automatik-Modus findet man den bereits erwähnten Nachtmodus, einen Panoramabildmodus, eine Serienbildaufnahme-Funktion und vieles mehr.
Der vom Samsung Galaxy S4 bekannte Dual-Kamera-Modus, in dem sowohl mit der Haupt- als auch mit der Frontkamera aufgenommen wird, wurde von LG ironischerweise fast 1:1 kopiert.

Einige Testfotos findet ihr in der folgenden Galerie:

Software

G Flex Theme

Das LG G Flex kommt leider noch immer mit Android 4.2.2 und natürlich auch mit der hauseigenne Optimus UI. Anders als beim G2 hat man hier nun die Möglichkeit, das „Flex“ Telefonschema auszuwählen, welches deutlich seriöser und erwachsener als das doch sehr bunte und verspielte Standard-Theme der Optimus UI wirkt. Dieses ist mit seinen vielen schwarzen Elementen auch gut für das OLED-Display optimiert.

Insgesamt wirkt die Optimus UI aber noch immer sehr verspielt und kommt mit zahlreichen teils sehr nützlichen, teils eher unnötigen Features, die wir eigentlich alle so auch schon vom G2 kennen. So findet man auf dem Lockscreen bis zu 5 frei konfigurierbare Shortcuts und eine Wetteranimation, die sich der aktuellen Wetterlage am jeweiligen Standort anpasst.

G Flex Personalisierung

Personalisierung wird bei LG schon länger groß geschrieben und das setzt man auch beim G Flex fort. So kann man auch hier die Bildschirmübergänge, sprich die Animation beim Scrollen durch die Homescreens, ändern und aus 7 vordefinierten Übergängen auswählen.
Selbst die On-Screen-Tasten können je nach Belieben konfiguriert und angeordnet werden.

Die Benachrichtigungsleiste des G Flex ist vollgepackt mit frei konfigurierbaren Toggles und Funktionen. Diese zeigen wir euch im Videotest genauer.
Neben der Möglichkeit das Soundprofil auszuwählen oder die Bildschirmhelligkeit zu justieren, kann man hier auch Q-Slide, LGs Multitasking-Lösung, aktivieren.
Mit dieser Funktion kann z.B. der Videoplayer bei laufendem Video verkleinert und transparent gemacht werden.
Somit kann man neben dem Video auch noch surfen oder andere Dinge erledigen.

G Flex Benachrichtigungsleiste

Das nützlichste und alltagstauglichste Feature ist aber nach wie vor “Knock On”. Zur Kompensierung des fehlenden Power-Buttons an der Seite muss man einfach zweimal auf das Display tippen, um es einzuschalten bzw. zweimal auf einen leeren Bereich des Homescreens oder die Statusleiste tippen, um das G Flex wieder zu sperren.
Das funktionierte im Test größtenteils zuverlässig.

Fazit

LG G Flex
Gut
81%
03/2014
Preis: 539€ Das LG G Flex überzeugt im Test vor allem durch die starke Akkulaufzeit und einige innovative Features..
Vorteile- Flexibles Design
- Selbstheilende Rückseite
- Akkulaufzeit
- Gute Kamera
Nachteile- Speicher nicht erweiterbar
- Kein Full-HD Display
- Noch immer kein Android 4.4

Am Ende könne wir nur sagen, dass wir wirklich positiv vom LG G Flex überrascht worden sind. Auch wenn komplett flexible Smartphones wohl noch länger nicht marktreif sein werden, bietet das G Flex auch im Alltag einige Vorteile, mit denen wir so nicht gerechnet hätten.
Es liegt deutlich besser in der Hand und ist merkbar kompakter als andere Phablets mit 6″ Display. Auch der Panorame-Effekt beim Schauen von Videos und die selbstheilende Rückseite sind Features, die wir so noch nicht kannten und uns sehr gut gefallen haben.
Vor Allem die Akkulaufzeit hat uns aber begeistert.

Einbußen muss man bei der vergleichsweise geringen Displayauflösung machen. Ein Update auf Android 4.4 KitKat ist zwar bereits angekündigt, ist aber Stand Mitte März noch immer nicht verfügbar. Das können andere Hersteller besser. Einige dürfte es auch stören, dass der Speicher nicht erweiterbar ist.

Wer gerade ein Phablet sucht, das Grundprinzip und die innovativen Features des G Flex mag und mit den oben genannten Nachteilen leben kann, macht mit dem G Flex aber definitiv nichts falsch.

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