OnePlus One Test – Der Preisbrecher

18.06.2014 20:00 von Franz
OnePlus One Display

Nahezu jeder etablierte Hersteller, der auf Android setzt, hat dieses Jahr schon ein neues Flaggschiff vorgestellt. Da wären das HTC One (M8), das Samsung Galaxy S5, das Sony Xperia Z2 und nicht zuletzt das LG G3, welches ab Anfang Juli auch nach Deutschland kommt. All diese Geräte vereinen absolute Highend-Hardware zu einem Highend-Preis. Das am meisten gehypte Smartphone der Tech-Szene kommt in diesem Jahr aber nicht von den eben genannten Herstellern, sondern von einem neuen Start-up aus China und heißt OnePlus One. Die Philosophie ist ganz einfach: Highend-Hardware zu einem günstigen Preis. Besonders interessant ist auch, dass das OnePlus One mit einer speziellen Version von CyanogenMod 11 als Betriebssystem kommt. Obwohl das OnePlus One momentan noch immer nur durch eine Einladung gekauft werden kann, konnten wir es bereits ausführlich testen. Wie es sich geschlagen hat, wollen wir euch nun genauer im ausführlichen OnePlus One Test berichten.

Testgerät: OnePlus One 16GB – weiß – ab 269€
Software: Android 4.4.2 mit CyanogenMod 11S

OnePlus One Video und Bilder:

(Link zum YouTube-Video)

Hardware

OnePlus One Back

Normalerweise beginnen wir unsere Testberichte nicht direkt mit dem Preis der getesteten Geräte – beim OnePlus One ist dieser aber eine der Hauptgründe, die das Gerät so interessant machen. Die 16GB-Version gibt es schon für 269€, für die 64GB-Verison zahlt man 299€. Hinzu kommen noch 4,99€ Versandkosten. Das Gerät wird direkt aus Deutschland geliefert. Wie bereits eingangs erwähnt, kann das OnePlus One allerdings momentan nur mit einer Einladung bestellt werden. Diese bekommt man durch die Teilnahme an diversen von OnePlus veranstalteten Aktionen. Im Laufe des dritten Quartals sollen dann auch ganz normal Vorbestellungen getätigt werden können.

OnePlus One Tasten 2

Oft ist es so, dass bei günstigeren Smartphones an der Verarbeitungsqualität oder den verwendeten Materialien gespart wurde. Nicht so beim OnePlus One. Als wir das Gerät zum ersten Mal in der Hand hielten, waren wir von der extrem guten Haptik überrascht und begeistert zugleich. Bei der Rückseite setzt man auf Magnesium und Cashewnuss-Schalen. Am ehesten kann man die Haptik des OnePlus One unserer Meinung nach mit dem Nokia Lumia 1520 vergleichen. Die Rückseite ist matt und minimal gummiert. Das sorgt für einen hervorragenden Grip und weist Fingerabdrücke, zumindest bei der weißen Version, größtenteils ab. Das Display wird von einem hochwertigen Chromrahmen umrandet.
Das Gerät fühlt sich hochwertiger als so manch anderes Smartphone für 600-700€ an – hier waren wir wirklich beeindruckt.

OnePlus One Display 2

Auch die Verarbeitung unseres Testgerätes ist hervorragend. Nichts knarzt, die Spaltmaße sind alle in Ordnung und auch die Tasten sitzen sehr fest und haben einen guten Druckpunkt. Das OnePlus One misst 152,9mm x 75,9mm. Damit ist es nur etwas größer als ein Sony Xperia Z2 oder HTC One (M8), hat mit 5.5″ aber ein größeres Display. Das Display-Oberflächen-Verhältnis beträgt 71,86%. Außerdem ist das OnePlus One nur 8,9mm dünn. Da die Rückseite leicht abgerundet ist, wirkt es an den Seiten sogar nochmals dünner. Insgesamt liegt es für ein Gerät mit 5.5″ Display noch ziemlich gut in der Hand. Nicht so gut wie ein LG G3, aber deutlich besser als der Durchschnitt. In normale Hosentaschen passt es problemlos.

OnePlus One Tasten 3

Auf der linken Seite platziert man den Einschub für eine Micro-SIM-Karte und die Lauter-Leiser-Wippe. Auf der gegenüberliegenden Seite sitzt der Power-Button. Dieser ist glücklicherweise perfekt zu erreichen – bei Smartphones dieser Größenklasse ist das nicht immer so. Auf der Oberseite befinden sich ein 3,5mm-Klinkenanschluss und ein erstes Mikrofon. Ein weiteres Mikrofon sowie den Micro-USB-Anschluss platziert OnePlus auf der Unterseite. Hier befinden sich auch die beiden Stereo-Lautsprecher. Während diese uns klangtechnisch durchaus überzeugten – sie sind ziemlich laut und der Sound ist auch angenehm klar – ist deren Platzierung suboptimal. Beim Spielen oder Schauen von Filmen im Landscape-Mode kam es oft vor, dass wir die Lautsprecher aus Versehen mit unseren Händen verdeckten.

OnePlus One Front

Auf der Vorderseite, die übrigens von Corning Gorilla Glass 3 geschützt wird, sitzen noch eine 5 Megapixel Frontkamera, die überdurchschnittlich gute Aufnahmen macht, eine dezente Benachrichtigungs-LED und drei touch-sensitive Tasten für „Menü“, „Home“ und „Zurück“. Diese reagierten teilweise verzögert, was laut aktuellen Meldungen, allerdings ein Software-Bug ist.
Hinten befindet sich dann noch die 13 Megapixel Hauptkamera mit einer Dual-Foto-LED. Die Rückseite kann übrigens ausgetauscht werden. Hier will OnePlus in Zukunft verschiedenste Materialien und Muster wie Jeans-Stoff oder Holz-Optik anbieten. Der 3100mAh starke Akku ist aber leider fest verbaut. Der interne Speicher kann auch nicht erweitert werden. Allein deshalb würden wir euch allen zur 64-GB-Version raten.

OnePlus One Back 3

Die Sprachqualität ist ordentlich, der Mobilfunkempfang ebenfalls. Beim WLAN-Empfang fiel uns auf, dass das OnePlus One eher unterdurchschnittlich abschneidet. Wo ein HTC One (M8) noch vollen Empfang hat, sind es beim OnePlus One nur noch einer von drei Balken. Insgesamt ist dies zwar ärgerlich, aber verschmerzbar. Die 16-GB-Version kommt in der Farbe Weiß, die 64GB Version in „Sandstone Black“.

Display

OnePlus One Display

Bei günstigeren Smartphones wird oft beim Display gespart. Nicht so hier: OnePlus verbaut beim One ein 5.5″ großes IPS-Display von JDI, das mit 1920×1080 Pixeln bei 401ppi auflöst. Die Darstellung ist gestochen scharf, Text wirkt wie gedruckt und einzelne Pixel lassen sich nicht mehr erkennen.

Auch Farbdarstellung und Farbkorrektheit haben uns richtig gut gefallen. JDI-typisch ist das Display etwas kälter kalibriert. Dadurch wirken die Farben zwar nicht ganz so intensiv wie etwa bei einem HTC One (M8) (Test), dafür sind Schwarz- und Weißwert sehr gut. In einem eigenen Einstellungsmenü kann die Farbwiedergabe außerdem individuell eingestellt werden.

OnePlus One Blickwinkel

Auch die Helligkeit ist absolut ausreichend. Wir hatten im Außeneinsatz und an sonnigeren Tagen keinerlei Probleme Inhalte vom Display abzulesen. Abzüge gibt es nur beim Thema Blickwinkelstabilität. Diese ist ordentlich, aber nicht ganz so gut wie beim HTC One (M8), iPhone 5s oder Samsung Galaxy S5 (Test). Insgesamt verbaut OnePlus hier aber ein extrem hochwertiges Panel, das in diesem Preisbereich mit großem Abstand unerreicht ist.

Performance

OnePlus One Performance

Während die Flaggschiffe der etablierten Hersteller heutzutage eigentlich allesamt auf Qualcomm SoCs setzen, werden in günstigeren Smartphones oft noch Chips von MediaTek oder anderen Herstellern verbaut. Auch hier stellt das OnePlus One eine Ausnahme dar. Es kommt mit Qualcomms Snapdragon 801, dem gleichen Quad-Core-Prozessor, der auch im HTC One (M8), Sony Xperia Z2 (Test) und Samsung Galaxy S5 steckt. Er taktet mit 2,5 GHz je Kern und wird von 3 GB RAM unterstützt.

Obwohl die CyanogenMod 11S auf dem OnePlus One noch nicht final ist, ist die Performance bereits beeindruckend. Ruckler gibt es so gut wie keine, Apps starten ebenfalls schnell. Was stört, ist die circa einsekündige Verzögerung beim Drücken des Home-Buttons. Das muss man mit zukünftigen Updates beheben. Möchte man das Display durch ein Doppeltippen im gesperrten Zustand aktivieren, gibt es meist auch eine kurze Verzögerung. Das geht bei HTC etwas schneller, dauert aber bei Sony bspw. ähnlich lange.

Als Browser ist der Chrome-Browser vorinstalliert. Die Surf-Performance ist großartig, hier gibt es so gut wie nichts zu kritisieren. Ebenfalls gut gefallen hat uns die Gaming-Performance. Selbst aufwändigere Spiele wie Dead Trigger 2 und Modern Combat 4 meistert das OnePlus One ohne Probleme und in hervorragender Grafik. Eine unangenehme Wärmeentwicklung konnten wir hier nicht beobachten

Wie sich das OnePlus One in den bekanntesten Benchmarks geschlagen hat, seht ihr in der folgenden Tabelle:

Sony Xperia Z2 Sony Xperia Z1 HTC One (M8) Samsung Galaxy S5 LG G2 OnePlus One
Vellamo HTML-5 1609 2888 1756 1639 2898 1878
Quadrant Standard Benchmark 17048 17890 23535 23528 19465 24598
Antutu 34444 32782 34534 35817 35728 32382
SunSpider 723,0ms 774,1ms 595,0ms 395,3ms 979,4ms 878,9ms
Peacekeeper: 863 850 1165 855 849 964

Akku

OnePlus One Back 2

OnePlus verbaut im One, wie bereits erwähnt, einen 3100mAh Akku. Verglichen mit der Konkurrenz ist dies definitiv eine ordentliche Kapazität. Man muss hier auch immer im Hinterkopf behalten, dass die CyanogenMod 11S noch nicht final ist, es laufend Updates gibt und sich die Akkulaufzeit definitiv noch verbessern könnte.

In unseren üblichen Akku-Test, in dem wir bei voller Displayhelligkeit und aktiviertem WLAN ein Video abspielen lassen, kam das One auf eine Laufzeit von etwa fünfeinhalb Stunden. Kein perfekter, aber ein ordentlicher Wert. Viel wichtiger ist allerdings die Alltagsperformance.

Bei unserer alltäglichen Nutzung (WhatsApp, Facebook, Twitter, etwas YouTube, Surfen, ein bis zwei Telefonate und etwas Musik hören) kamen wir bei etwa 60-70% Displayhelligkeit problemlos durch den Tag. Das HTC One (M8) oder da Sony Xperia Z2 halten noch einmal ca. 10-20% länger – insgesamt waren wir mit der Akkulaufzeit des OnePlus One aber zufrieden.

Kamera

OnePlus One Kamera

Die Kamera des OnePlus One hat, wie bereits erwähnt, eine Auflösung von 13 Megapixeln und kommt mit einer Dual-Foto-LED. Von der Bildqualität waren wir ebenfalls positiv überrascht. Bei guten Lichtbedingungen werden die Aufnahmen extrem scharf, detailreich und farbgetreu.

Low-Light-Aufnahmen sind ebenfalls ordentlich. Hier kann das One aber trotz Nachtmodus nicht ganz mit einem HTC One (M8) oder Nokia Lumia 1020 mithalten. Die Aufnahmen werden etwas zu dunkel und verrauscht. Videos können in 4k aufgezeichnet werden.

Mit der CyanogenMod 11S wurde die Standard-Android-Kamera-App etwas verändert. Die verschiedenen Modi lassen sich durch vertikales Wischen aufrufen. Vom eben schon erwähnten Nachtmodus bis hin zu „Sepia“, „Schwarz Weiß“, „Bildstabilisierung“ und einem ordentlichen HDR-Modus ist alles dabei.

Einige Beispielaufnahmen findet ihr in der folgenden Galerie:

Software

OnePlus One CM11S

Mit das interessanteste Feature des OnePlus One war für uns persönlich, dass es ab Werk mit der CyanogenMod 11S und somit direkt Android 4.4.2 KitKat kommt. Diese Version von CyanogenMod, der wohl bekanntesten Custom-ROM für Android-Devices, wird speziell für das OnePlue One entwickelt. Da man hier auf pures Android ohne herstellereigene Benutzeroberfläche setzt, ist der Weg für schnelle Updates prinzipiell geebnet und auch performancetechnisch profitiert das OnePlus One sehr vom puren Android.

OnePlus One On Screen

Auf unnötige Bloat-Ware wurde verzichtet. Es gibt außerdem die Möglichkeit auszuwählen, ob man lieber die touch-sensitiven Tasten oder On-Screen-Tasten nutzen möchte – ein extrem praktisches Feature. Dazu kommt, dass weitere On-Screen-Tasten zu den drei standardmäßigen problemlos hinzugefügt werden können. Ein Beispiel hierfür wäre ein dedizierter Button für die Suche.

OnePlus One Drawer

Wie oben bereits angeschnitten, kann man außerdem aktivieren, dass das gesperrte OnePlus One durch ein Doppeltippen auf’s Display aufgeweckt wird. Ein weiteres cooles Feature ist die vorinstallierte Screencast-App. Normalerweise muss man sein Android-Phone rooten, um den Displayinhalt in Form eines Videos aufnehmen zu können- beim OnePlus One ist dies allerdings ab Werk möglich.

OnePlus One Themes Store

Gut gefallen hat uns auch der integrierte „Theme-Store“. Hier gibt es zahlreiche verschiedene Themes, die heruntergeladen werden können. Dabei könnt ihr sogar auswählen, ob ihr das gesamte Theme aktivieren wollt oder nur die Schriftart, die Icons oder die Hintergrundbilder eines Themes. So kann man mehrere verschiedene Themes mischen.
In der Benachrichtigungsleiste gibt es natürlich Toggles, um bspw. WLAN direkt zu aktivieren oder zu deaktivieren oder die Displayhelligkeit zu justieren. Diese können frei angeordnet werden.

Alles in Allem zeigt CyanogenMod 11S eindrucksvoll, dass es keine aufwändigen, herstellereigenen Benutzeroberflächen braucht. Vanilla-Android in Verbindung mit einigen, nützlichen Features und Funktionen sorgt für eine hervorragende Performance und den Grundstein für schnelle, zukünftige Updates.

Fazit

OnePlus One
Gut
88%
06/2014
Preis: 269€ Das OnePlus One überzeugt im Test durch den günstigen Preis, die geniale Hardware und die tolle Software.
Vorteile- Verarbeitung & Haptik
- Display
- Software
- Performance
- Preis
Nachteile- Lautsprecher schlecht platziert
- Speicher nicht erweiterbar
- Momentan schlechte Verfügbarkeit

Alles in allem hat uns das OnePlus One im Test unglaublich gut gefallen. Für 269€ bzw. 299€ gibt es nicht einmal ansatzweise ein anderes Smartphone, das hier mithalten kann. Auf der Haben-Seite stehen die unglaublich angenehme Haptik, die gute Verarbeitung, die jetzt schon ordentliche Performance, das hervorragende Display und die Tatsache, dass uns CyanogenMod 11S im Test unglaublich gut gefallen hat.

Etwas schade ist die unglückliche Platzierung der Lautsprecher, die Tatsache, dass der Speicher nicht erweiterbar ist und, das Hauptproblem: Das OnePlus One kann momentan nur sehr schwer gekauft werden. Inwiefern es schnelle Updates geben wird und wie etwaige Garantiefälle dann in der Realität abgewickelt werden, können wir natürlich auch noch nicht sagen.

Trotzdem: Wir können auch das OnePlus One uneingeschränkt weiterempfehlen – für diesen Preis gibt es momentan kein besseres Smartphone.

Anzeige:

Haptik / Verarbeitung 9 Display 9 Kamera 8 Batterie 8 Performance 9 Konnektivität 8 Software 9 Preis / Leistung 10