Motorola Moto X (2. Gen) Test – Das Nexus 6 Mini?

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Das Motorola Moto X war eines der kontroversesten Smartphones des letzten Jahres. Da hat es doch tatsächlich mal ein Hersteller gewagt, ein Android-Flaggschiff mit Mittelklasse-Hardware auf den Markt zu bringen. Trotzdem konnte das Moto X in vielen Tests durch seine gute Performance, das handliche Design und einige innovative Features überzeugen. Leider dauerte es zu lange, bis dieses Gerät nach Deutschland kam. Nun schreiben wir Oktober 2014 und mit dem Moto X (2. Gen) ist der Nachfolger auch in Deutschland bereits verfügbar. Anders als der Vorgänger kommt das neue Moto X allerdings mit durchaus aktueller Hardware und einigen Verbesserungen. Wie es sich in unserem ausführlichen Test geschlagen hat, erfahrt ihr jetzt.

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Software: Android 4.4

Motorola Moto X (2. Gen) Testbilder:

Hardware

Moto X 2014 Back 5

Auch beim Moto X (2. Gen) ist Motorola seiner Designlinie prinzipiell treu geblieben, einige Details wurden allerdings verändert. So setzt man nun auf einen Aluminium-Rahmen und auf ein insgesamt deutlich schlankeres Design. Die Rückseite besteht beim schwarzen Modell standardmäßig noch immer aus gummiertem Kunststoff. Das sorgt für einen guten Grip, ist aber auch relativ anfällig für Fingerabdrücke. Ähnlich wie schon beim Vorgänger kann man sein Moto X aber auch über den Moto Maker individualisieren. Möglich sind unter Anderem Rückseiten aus Bambus, Leder oder Walnuss. Möglich ist außerdem eine sogenannte „Akzentfarbe“. Der Ring um das Motorola-Logo und der Bereich um die Hörmuschel kann somit also ebenfalls dem eigenen Geschmack nach angepasst werden.

Moto X 2014 Tasten

Verarbeitungstechnisch konnte uns das neue Moto X auf ganzer Linie überzeugen. Es ist extrem stabil gebaut, die Tasten sitzen fest und haben einen guten Druckpunkt – zu große Spaltmaße sucht man ebenfalls vergeblich. Durch den Aluminiumrahmen wirkt das gesamte Gerät auch nochmal merkbar hochwertiger als der Vorgänger – das hat uns extrem gut gefallen. Mit 140,8mmm x 72,4mm ist es zwar größer als das Moto X der ersten Generation, für ein 5.2″-Gerät aber noch immer relativ kompakt. Motorola hat also auch beim neuen Moto X wieder auf dünne Displayränder gesetzt.

Moto X 2014 Seite 2

An der dünnsten Stelle misst das Moto X (2. Gen) 3,8mm, an der dicksten sind es 9,9mm. Dazu kommt ein Gewicht von 144g. Das Gerät liegt unglaublich gut in der Hand und lässt sich meistens auch noch ohne Probleme einhändig bedienen. Das zu den Rändern hin abgeflachte Design macht sich hier extrem positiv bemerkbar. Der Power-Button und die Lauter/Leiser-Wippe sitzen auf der rechten Seite und sind beide sehr gut zu erreichen. Zu beachten ist, dass das neue Moto X, ähnlich wie der Vorgänger, wieder eine Nano-SIM benötigt. Außerdem kann der 16GB große interne Speicher leider nicht erweitert werden. Eine Version mit 32GB Speicher gibt es nur im Moto Maker für ab 579€.

Moto X 2014 Lautsprecher

Der Akku hat eine Kapazität von 2300mAh und ist erneut fest verbaut. Auf der Vorderseite befindet sich eine 2 Megapixel Frontkamera, die allerdings nur durchschnittliche Aufnahmen macht. Gut gefallen hat uns der Lautsprecher, der ebenfalls vorne platziert wurde. Zum einen ist die Positionierung perfekt gewählt, zum anderen ist der Lautsprecher extrem laut und vergleichsweise klar. Nicht so gut wie die BoomSound-Lautsprecher im HTC One M8, aber auf jeden Fall überdurchschnittlich gut. Phsyische oder touch-sensitive Tasten sucht man auf der Front vergeblich, das neue Moto X setzt nämlich wieder auf On-Screen-Tasten.

Moto X 2014 Nano Sim

Sprachqualität und Empfang sind ordentlich. Teilweise klang unser Gegenüber aber etwas zu leise. Am WLAN-Empfang können wir nichts kritisieren. LTE, Bluetooth und NFC sind selbstverständlich auch mit an Bord. Das neue Moto X gibt es ab sofort mit 16GB internem Speicher zu Preisen ab 469€.

Display

Moto X 2014 Display

Das Display wurde im Vergleich zum Vorgänger um 0,5″ auf nun mehr 5.2″ vergrößert. Auch die Auflösung wurde von HD auf Full-HD erhöht. Man verbaut nach wie vor ein OLED-Panel. Beginnen wir mit dem Positiven: Trotz PenTile-Matrix ist die Darstellung ausreichend scharf. Klar, verglichen mit einem Sony Xperia Z3 sieht man definitiv einen Unterschied, im Alltag fällt das aber nur in den seltensten Fällen negativ auf.
Auch die Blickwinkelstabilität ist OLED-typisch mehr als ordentlich – hier gibt es nichts zu kritisieren.

Moto X 2014 Blickwinkel

Das waren dann aber auch schon alle positiven Dinge am Display des neuen Moto X. Insgesamt wirkt es wie ein AMOLED-Display aus dem Jahr 2012 oder 2013. Die Farbdarstellung ist viel zu übersättigt. Was auf dem Homescreen und in den Menüs auf den ersten Blick noch gut aussieht, wird gerade beim Betrachten von Bildern oder beim Surfen im Web zum Problem. „Weiß“ wird richtig vergilbt dargestellt – hier fühlt man sich wirklich an ein Galaxy Nexus oder Galaxy S3 zurückerinnert. Zu allem Überfluss gibt es auch keine Möglichkeit das Display in irgendeiner Form zu kalibrieren. Zumindest ein vordefinierter Modus, in dem die Farben nicht ganz so übersättigt dargestellt werden, wäre wünschenswert gewesen.

Moto X 2014 Helligkeit

Nicht zeitgemäß ist aber auch die Displayhelligkeit. Einige Kollegen haben hier Werte unter 300 Candela gemessen. Zum Vergleich: Beim Galaxy Note 4 oder Sony Xperia Z3 wurden über 600 Candela gemessen. Das Ganze erweist sich dann auch im Alltag als Problem: Sobald die Sonne scheint, kann man nicht mehr viel erkennen. Das stört auf Dauer doch ziemlich.
Gerade wenn daneben das Galaxy Note 4 liegt, sieht man, wie gut OLED-Displays mittlerweile sein könnten. Wir verstehen nicht, wie Motorola in seinem 2014er Flagschiff ein solches Display verbauen konnte. Selbst das Display im Moto G der ersten Generation ist, was Farbdarstellung und Helligkeit angeht, besser.

Performance

Moto X 2014 Gaming

Nun aber genug der Kritik, kommen wir zu einer der großen Stärken des Moto X (2. Gen), der Performance. Motorola verbaut den Qualcomm Snapdragon 801, einen Quad-Core-Prozessor mit 2,5GHz je Kern. Dazu gibt es 2GB Arbeitsspeicher.

Da man außerdem auf eine eigene Benutzeroberfläche verzichtet hat uns das Gerät quasi mit Stock-Android läuft, ist die Performance ähnlich gut, wie man es von Googles Nexus-Geräten kennt. Apps starten und schließen blitzschnell, Ruckler gibt es quasi nie und auch sonst gehört das neue Moto X zu den performantesten Geräten auf dem Markt.

Auch bei Spielen weiß es zu überzeugen. Grafik und Performance befinden sich hier auf extrem hohen Niveau. Selbst aufwändigere Spiele wie Modern Combat 5 bereiten dem neuen Moto X keine Probleme. Wie es sich in den bekanntesten Benchmarks geschlagen hat, seht ihr in dieser Tabelle:

LG G3 Huawei Ascend Mate 7 HTC One (M8) Moto X (2. Gen) Sony Xperia Z3 Samsung Galaxy Note 4
Quadrant Standard Benchmark 23,317 11229 23535 22216 19985 24978
Antutu 32,530 42348 34534 43884 35478 47855
SunSpider 900,8ms 612,3ms 595,0ms 842,0ms 867,4ms 390,9ms
Peacekeeper: 657 1308 1165 987 898 1306

Akku

Moto X 2014 Back 2

Der Akku hat eine Kapazität von 2300mAh und ist fest verbaut. Das klingt auf den ersten Blick nach etwas wenig, gerade in Anbetracht der doch recht potenten Hardware und leider bestätigte sich diese Befürchtung auch im Alltag.

Moto X 2014 OnScreen Zeit

Dadurch, dass das Display an sich so dunkel ist, muss man es meist auf 90-100% Helligkeit stellen. Wir kamen meist gerade so durch den Tag. Teilweise war auch schon vorher Schluss. Die On-Screen-Zeit bewegte sich zwischen zweieinhalb und drei Stunden. Hier ist ein Großteil der Konkurrenz deutlich besser.
Insgesamt waren wir auch von der Akkulaufzeit eher enttäuscht.

Kamera

Moto X 2014 Kamera 2

Häufig kritisiert wurde der Vorgänger auch für seine Kamera. Beim neuen Moto X setzt Motorola nun auf eine 13 Megapixel Hauptkamera, die laut eigenen Aussagen deutlich verbessert wurde. Und ja, bei guten Lichtbedingungen kann die Kamera durchaus überzeugen. Dann werden die Aufnahmen relativ scharf, detailreich und farbgetreu.

Sobald das Licht allerdings schlechter wird, nimmt auch die Bildqualität rasant ab. Die Aufnahmen werden viel zu dunkel und verrauscht. Wo man bei der Konkurrenz teilweise noch durchaus brauchbare Aufnahmen machen kann, enttäuscht das neue Moto X auf ganzer Linie.

Auch die Kamerasoftware bringt Licht und Schatten. Einerseits ist sie sehr intuitiv und übersichtlich gehalten. Andererseits verfehlt der Autofokus gerne mal sein Ziel auf ganzer Linie. Personen im Vordergrund sind dann unscharf, und der Hintergrund scharf. Das nervt.

Einige Beispielaufnahmen findet ihr in der folgenden Galerie:

Software

Moto X 2014 Homescreen

Das neue Moto X kommt mit Android 4.4 KitKat – ein Update auf Android Lollipop soll bald folgen. Wie bereits erwähnt, verzichtet Motorola hier auf eine eigene Benutzeroberfläche und setzt dagegen auf Stock Android mit einigen nützlichen Ergänzungen.

Moto X 2014 Active Display

Einer der Hauptgründe, wieso Motorola auf ein OLED-Display gesetzt hat, ist vermutlich „Active Display“. Bei ausgeschaltetem Display werden ganz dezent bis zu drei Benachrichtigungen in Schwarz-Weiß-Optik angezeigt. Das Moto X erkennt, wann ihr es in der Hand haltet oder auf das Display schaut und zeigt erst dann die verpassten Benachrichtigungen an. Wollt ihr einen genauern Blick auf eine der Benachrichtigungen werfen, müsst ihr einfach nur das entsprechende Symbol gedrückt halten und weitere Details werden angezeigt. Ihr könnt auch direkt zu der entsprechenden Benachrichtigung entsperren, indem ihr die Benachrichtigung nach unten wischt.

Moto X 2014 Sprachsteuerung

Neu ist nun auch, dass man das Moto X durch einen personalisierten Satz aufwecken kann. Das Moto X ist quasi immer bereit. Sagt ihr den entsprechenden Satz, reagiert es. In der Praxis sollte dieser Satz etwas länger sein. Wählt ihr nur ein einzelnes Wort, kommt es oft vor, dass das Moto X einfach nicht reagiert. Mit der Migrate-App lassen sich außerdem Inhalte von euerem alten Smartphone mit wenigen Klicks auf das neue Moto X portieren.

Motorola Moto X (2. Gen) Test Fazit

Unser Fazit zum Motorola Moto X (2. Gen) ist eher zwiegespalten. Einerseits gefallen uns das hochwertige und ergonomische Design, die unglaublich gute Performance und die aufgeräumte Software mit ihren nützlichen Features. Auch die Individualisierbarkeit über den Moto Maker ist einzigartig.

Andererseits enttäuscht das neue Moto X vor allem in Sachen Display, Kamera und Akkulaufzeit. Gerade in diesen Punkten wirkt es eher wie ein Smartphone aus dem Jahr 2012 oder 2013 und nicht wie ein Flaggschiff für das Jahr 2014. Außerdem ist der Speicher leider nicht erweiterbar. Der momentane Preis von etwa 469€ ist für die gebotene Leistung einfach noch zu hoch. Sinkt dieser allerdings ähnlich schnell wie beim Vorgänger, könnte das neue Moto X durchaus wieder interessant werden.

In unserem Motorola Moto X (2. Gen) Test überzeugen vor allem die Individualisierbarkeit, die Verarbeitung und die Performance.
Vorteile
- Metallrahmen & Gute Verarbeitung
- Performance
- Software
- Individualisierbarkeit
Nachteile
- Speicher nicht erweiterbar
- Schwaches Display
- Enttäuschende Kamera
- Schwache Akkulaufzeit
75% Tabtech
Bewertung
EUR 469€
Haptik / Verarbeitung 9 Display 6 Kamera 6 Batterie 6 Performance 10 Konnektivität 7 Software 9 Preis / Leistung 7

  • Shorty1981

    Klatsch es in die Tonne :-) !
    Die wichtigsten Punkte bei einem Smartphone sind für mich das Display, Akku, Kamera und Spachquallität!
    Das Moto X 2. Gen versagt genau in den wichtigsten 3 Punkten!
    Bei einem Preis von 250 – 300 Euro könnte man über diese Schwächen hinweg sehen,
    Aber so ist das Moto X 2. Gen für mich eine absolute Totgeburt!

    • Tobias

      Klatsch es in die Tonne und Totgeburt in einem Absatz. Ich weiß nicht was ich davon halten soll.^^
      470€ sind aber wirklich etwas viel…

  • Rolf

    Viel lesenswerter Stoff, aber wie kann ich dazu die Schrift vergrößern? *help*

    • Rolf

      Ich meine auf einem Tablet!?

      • Tectone

        Brille 😀

  • Lex

    Ich bin genau der gleichen Meinung wie ihr und versteh nicht, wie es auf anderen Seiten so gute Bewertungen bekam (TheVerge bezeichnet es ja sogar als das beste Android Handy überhaupt). Ich hätt es mir eigentlich sofort gekauft, wenn es so gekommen wär, wie ich dachte:

    – mind. 2.600 – 2.800 mAh (2.300 sind absolut lächerlich, gerade bei 9.9 mm und 5.2″)
    – sehr gutes Display (etwa wie das S5)
    – Stereo-Frontlautsprecher
    – Kamera, die zumindest einigermaßen mit S5, iPhone, G3, Note 4 etc. mithält
    – 5″ Display (mehr Hoffnung als Erwartung)

    So ist es nun doch das Xperia Z3 geworden, bei dem mich lediglich der Bezel und die etwas „launische“ Kamera stört, aber man kann ja leider nicht alles haben 😉

    Super (und vor allem ehrliches) Review!

    • Tectone

      Was hat sich Google nur 2014 gedacht?
      Oder haben die überhaupt gedacht?

    • Franz Feuerer

      Vielen Dank!
      Ich seh das genauso. Habe mich selbst extrem auf das Moto X 2014 gefreut. Aber das Display, die Cam und der Akku sind schon echt ein Problem.

      Gruß

  • Mark Si

    Also ich muss sagen ich hab das Gerät jetzt seid 2 Wochen und kann weder die schwächen des display noch die geringe Akku Laufzeit bestätige . Ich schaffe bei automatischer Helligkeit über 4 Stunden display on Time bei 28 Stunden standby. Beim lg g3 konnte ich solche Werte kaum erreichen.

    • Franz Feuerer

      Hi,
      bzgl. Display: Geh am besten mal in einen Handyshop und vergleiche es mit dem Note 4. Das sind Welten. Sieht man eigentlich sofort.

      Das mit dem Akku ist halt immer so ne Sache. Wenn du die Displayhelligkeit entsprechend runterschraubst, glaube ich dir das definitiv. Aber dann ist es eben bspw. in hellen Räumen oder im Freien nicht nutzbar.

      Gruß

      • Mark Si

        Hi,ich werde das mal versuchen, hatte die Helligkeit bisher immer auf Automatik und werde sie jetzt voll auf drehen. Das einzige was mir negativ aufgefallen ist war die moto Sprache, die funktioniert trotz vorgegebenen Hotword nur mäßig. LG