LG G4 Test – Alles richtig gemacht

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Nachdem Samsung, HTC und Huawei bereits ihre diesjährigen Flaggschiffe vorgestellt hatten, zog LG Electronics am 28. April nach und machte das G4 offiziell. Wie es für LGs Flaggschiffe mittlerweile schon fast typisch ist, wurden auch zum G4 bereits im Vorfeld nahezu alle Daten geleakt. Das G4 sieht seinem Vorgänger ziemlich ähnlich, kommt aber unter anderem mit einer Akkuabdeckung aus Echtleder. Für Verwunderung sorgte auch, dass LG, anders als noch beim G Flex 2, nicht auf den Qualcomm Snapdragon 810, sondern auf den theoretisch etwas schwächeren Snapdragon 808 Prozessor gesetzt hat. Ab dem 01. Juni ist das LG G4 in Deutschland verfügbar. Ob sich ein Kauf lohnt, erfahrt ihr in unserem ausführlichen Test.

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LG G4 Test Bilder

Hardware

LG G4 2

Auf den ersten Blick sieht das LG G4 seinem Vorgänger, dem G3, ziemlich ähnlich. Bei genauerem Hinschauen fällt dann aber auf, dass das Gehäuse nicht mehr ganz so rundlich und das Gerät an sich leicht gebogen ist. Natürlich bei Weitem nicht so stark wie bspw. ein G Flex 2, aber es sticht definitiv ins Auge. Bei der abnehmbaren Rückseite gibt es dann verschiedene Optionen. Die Kunststoff-Ausführungen in Grau, Weiß oder Gold erinnern sehr stark an das G3. Sie sind nach wie vor matt gehalten und haben noch immer einen leichten Metall-Look, wenn auch diesmal etwas anders.

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Interessant sind aber vor allem die Echtleder-Rückseiten. In Deutschland wird es diese in Schwarz, Rot und in einem Cognac-Braun geben. Der Aufpreis zur Kunststoff-Version beträgt etwa 50€, dafür wird bei jeder Leder-Version aber auch eine Kunststoff-Akkuabdeckung in Gold mitgeliefert. Prinzipiell haben beide Versionen ihre Vorteile. Die Kunststoff-Rückseite dürfte weniger anfällig sein und fühlt sich insgesamt etwas griffiger an. Die Leder-Rückseite hingegen ist auf jeden Fall extravaganter und fühlt sich hochwertiger an. Wie anfällig die Lederrückseiten wirklich sind kann aber natürlich nur ein Langzeittest zeigen. Wir sind hier allerdings etwas skeptisch.

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Auch verarbeitungstechnisch konnte uns das G4 prinzipiell überzeugen. Die Tasten sind sehr gut verarbeitet und haben einen wirklich ordentlichen Druckpunkt. Nach einigen Tagen Nutzung konnten wir unserem Testgerät aber ganz selten ein leichtes Knarzen bei entsprechendem Druck auf die Rückseite entlocken. Das ist aber wohl der Preis, den man für eine abnehmbare Akkuabdeckung zahlen muss.
Das G4 misst 149mm x 76mm und ist damit theoretisch etwas größer als ein Samsung Galaxy S6 oder Huawei P8. Dazu kommt ein Gewicht von 155g und eine Gehäusedicke von 6,3mm-9,8mm.

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Ähnlich wie schon der Vorgänger liegt aber auch das G4 für ein 5.5″-Smartphone unglaublich gut in der Hand. Durch das leicht gebogene Design hat uns das G4 sogar noch besser gefallen. In den meisten Fällen kann man es dadurch noch problemlos einhändig bedienen. Das Displayoberflächenverhältnis ist insgesamt zwar etwas kleiner als beim G3 – wirklich gestört hat das aber nicht.
Auf der Vorderseite befinden sich dann noch eine Benachrichtigungs-LED und die 8 Megapixel Frontkamera mit einer Blende von f/2.0. Auch beim G4 setzt man wieder auf On-Screen-Tasten.

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Die rechte und auch die linke Seite des Kunststoff-Rahmens sind absolut blank gehalten. Auf der Oberseite findet man dann nur ein Mikrofon und den Infrarot-Port. Unten platziert LG den 3,5mm-Klinkenanschluss und den microUSB-Port. Die Lauter/Leiser-Tasten und auch der Power-Button befinden sich also wieder auf der Rückseite. Wir sind schon seit dem G2 überzeugt von LGs „Rear-Key-Design“, dementsprechend hat uns das auch beim G4 wieder gefallen. An die Bedienung gewöhnt man sich extrem schnell und alle Tasten sind sehr gut zu erreichen.

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Außerdem befinden sich auf der Rückseite noch die 16 Megapixel Hauptkamera mit einer Blende von f/1.8, eine Foto-LED, der altbekannte Laser-Autofokus und ein sogenannter RGB-Farbraum-Sensor. Der soll das Umgebungslicht analysieren und somit einen besseren Weißabglich ermöglichen. Auch der Lautsprecher wurde wieder auf der Rückseite platziert. Er ist erstaunlich laut und meist relativ klar Nur bei voller Lautstärke klingt er etwas blechern. Die Positionierung ist trotzdem eher suboptimal.

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Wie bereits erwähnt, kann auch beim G4 die Akkuabdeckung wieder abgenommen werden. Wireless-Charging über den Qi-Standard ist zwar nur noch mit dem separat erhältlichen Quick-Circle-Case möglich, der 32GB große interne Speicher kann aber noch immer problemlos erweitert und der 3000mAh große Akku ausgetauscht werden. Ansonsten befindet sich hier noch der Einschub für eine Micro-Sim. Das LG G4 ist ab sofort zu Preisen ab 634€ (Kunststoff) bzw. 669€ (Leder) erhältlich.

Display

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Auch beim G4 setzt LG wieder auf ein 5.5″ großes Display, das wird nun allerdings als „Quantum IPS“ vermarktet. Auch die Auflösung von 2560×1440 bei etwa 538ppi ist geblieben. Das G4 stellt Inhalte natürlich noch immer gestochen scharf dar, einzelne Pixel kann man im Alltag zu keinem Zeitpunkt erkennen.

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Vor allem in Sachen Farbdarstellung und Farbechtheit hat LG das Display im Vergleich zum G3 aber deutlich verbessert. Der Weißwert ist extrem gut und auch der Schwarzwert kann sich für ein IPS-Display sehen lassen. Farben werden insgesamt ziemlich intensiv, aber noch immer ausreichend realistisch dargestellt.
Auch in Sachen Helligkeit wurde das Display deutlich verbessert. Selbst an sonnigeren Tagen hatten wir nie Probleme das Display des G4 abzulesen.

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Einzig die Blickwinkelstabilität ist nicht ganz so gut wie etwa beim Samsung Galaxy S6 oder iPhone 6 – das fällt aber tatsächlich nur im direkten Vergleich auf. Alles in Allem lässt sich nur sagen, dass das LG G4 mit einem der momentan besten Displays auf dem Markt daherkommt.

Performance

LG G4

Viele Diskussionen gab es, wie bereits erwähnt, um den Prozessor. Denn anders als noch beim G Flex 2 verbaut LG im G4 nicht Qualcomms aktuellen Top-Prozessor, den Snapdragon 810, sondern den theoretisch etwas schwächeren Snapdragon 808, einen 64Bit-Sechskern-Prozessor. Dazu gibt es 3GB Arbeitsspeicher.

Unserer Meinung nach war diese Entscheidung von LG aber goldrichtig. Während das G Flex 2 selbst nach diversen Updates noch mit leichten Micro-Rucklern, Verzögerungen und Hitzeproblemen zu kämpfen hat, hat das G4 keines dieser Probleme. Apps starten und schließen blitzschnell, es gibt so gut wie nie Ruckler oder Verzögerungen und auch die Browser-Performance ist extrem stark. Im Chrome-Browser werden Seiten ziemlich schnell geladen und auch beim Scrollen läuft alles flüssig und butterweich.

Auch in Sachen Gaming-Performance steht das G4 dem G Flex 2 eigentlich in nichts nach. Selbst aufwändigere Spiele wie Modern Combat 5 laufen flüssig und ohne größere Probleme. Auch die Grafik kann sich sehen lassen. Wie sich das LG G4 in den bekanntesten Benchmarks geschlagen hat, seht ihr in der folgenden Tabelle:

Galaxy S6 HTC One M9 LG G Flex 2 LG G4
Quadrant Standard Benchmark 36091 28892 27533 24441
Antutu 67022 48329 49202 46743
SunSpider 1075ms 908,5ms 910,9ms 917,5ms
Peacekeeper: 1066 807 1175 1487

Akku

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Wie bereits erwähnt, kommt das LG G4 erneut mit einem 3000mAh starken Akku. In Sachen Akkulaufzeit konnte bisher noch keines der 2015er Flagschiffe wirklich überzeugen und auch das G4 hat hier definitiv noch Luft nach oben. Bei unserer alltäglichen Nutzung schlägt es sich aber etwas besser als das Samsung Galaxy S6 oder HTC One M9.

Durch den Tag kamen wir immer problemlos, teilweise waren sogar eineinhalb Tage möglich. Die Display-On-Zeit lag dabei immer zwischen dreieinhalb und vier Stunden. Manchmal etwas mehr und ganz selten auch etwas weniger. Die Displayhelligkeit wurde dabei immer manuell geregelt und lag meist zwischen 70 und 80%.

Kamera

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Unser Highlight des LG G4 ist aber die Kamera, bzw. die Kamera-Software. Anstatt das G4 mit zig überflüssigen Modi und Filtern zuzubomben, hat LG einen ziemlich genialen Manuellen Modus implementiert. Hier kann angefangen mit dem ISO-Wert bis hin zur Verschlusszeit alles manuell geregelt werden. Selbst die Lichttemperatur in Kelvin kann manuell eingestellt werden. Das Ganze ist extrem intuitiv gelöst und erinnert schon fast an eine DSLR.

Aber auch im Automatikmodus kann das G4 überzeugen. Der Autofokus wurde im Vergleich zum Vorgänger nochmal verbessert. Bei guten Lichtbedingungen macht das G4 extrem scharfe, detailreiche und farbechte Bilder. Hier muss es sich nicht vor dem Galaxy S6 oder Huawei P8 verstecken.
Auch bei schlechteren Lichtbedingungen können die Aufnahmen überzeugen. Gerade im manuellen Modus und mit einem Stativ lässt sich hier einiges rausholen. Aber auch im Automatikmodus kann sich die LowLight-Performance sehen lassen.

Auch die Frontkamera konnte uns überzeugen. Die Aufnahmen werden zwar nicht ganz so gut wie mit der Hauptkamera, auch hier liegt die Bildqualität aber über dem Durchschnitt. Einige mit dem G4 aufgenommene Bilder findet ihr in der folgenden Galerie:

Software

LG G4 Screenshot 1

Das LG G4 kommt bereits ab Werk mit Android 5.1 Lollipop und natürlich wieder mit LGs eigener Benutzeroberfläche. Diese wurde im Vergleich zu den Vorgängerversionen nochmal schlanker und flacher gestaltet. Auch das Icon-Design finden wir nun deutlich ansprechender.

LG G4 Screenshot 2

Viele Apps wurden redesignt und an das neue Material-Design angepasst. Gut sichtbar wird dies bspw. in den Einstellungen, die nun deutlich strukturierter und übersichtlicher sind. Auch die Benachrichtigungsleiste hat uns wieder sehr gut gefallen. Hier befinden sich diverse Shortcuts, um allerlei Dienste aus- und einzuschalten. Auch die Displayhelligkeit kann hier direkt justiert werden.

LG G4 Screenshot 3

Das altbekannte Double-Tap-To-Wake Feature ist ebenfalls wieder mit an Bord. Durch einen Doppeltipp auf das Display wird das G4 im gesperrten Zustand aufgeweckt und kann direkt entsperrt werden. Sperren kann man es dann wieder durch einen Doppeltip auf die Status-Bar. Auch das bekannte Dual-Window-Feature, mit dem man mehrere Apps gleichzeitig nebeneinander laufen lassen kann, ist wieder mit an Bord

LG G4 Test Fazit

Alles in Allem ist das LG G4 genau das, was das G3 hätte sein sollen. Vor allem Display, Performance, Kamera und Software wurden im Vergleich zum G3 teilweise deutlich verbessert. Zu kritisieren gibt es nur wenig. LGs UI ist aber vermutlich noch immer nicht jedermanns Sache. Gleichzeitig muss man auch sagen, dass sich ein HTC One M9 oder Galaxy S6 auf jeden Fall nochmal eine Ecke hochwertiger anfühlt und etwas besser verarbeitet sind.

Trotzdem ist das LG G4, objektiv betrachtet, momentan eines der besten, wenn nicht sogar das beste, verfügbare Android-Smartphone. Vor allem der wechselbare Akku und der erweiterbare Speicher dürften im direkten Vergleich zum Galaxy S6 für viele sehr interessant sein. Wir können euch das G4 auf ganzer Linie weiterempfehlen.

Das LG G4 überzeugt in unserem Test vor allem durch das starke Display, die ordentliche Performance und die gelungene Kamera.
Vorteile
- Geniales Handling
- Starkes Display
- Überzeugende Kamera
- Ordentliche Performance
Nachteile
- UI noch immer teilweise überladen
- Haptik
-
85% Tabtech
Bewertung
EUR 649€
Haptik / Verarbeitung 8 Display 9 Kamera 9 Batterie 8 Performance 9 Konnektivität 10 Software 8 Preis / Leistung 7

  • Tim R.

    Ich finde die Sunspider-Werte von allen vier gezeigten Geräten in der Tabelle irgendwie komisch 😀 Das sind allesamt eig. unheimlich schlechte Werte, besonders für solche High-End-Geräte

    • Franz Feuerer

      Ich weiß, was du meinst. Vor allem, wenn man bedenkt, dass bspw. ein One M7 damals bessere Werte lieferte.
      Liegt aber meiner Meinung nach am Chrome-Browser (den haben wir bei allen Geräten in der Tabelle verwendet), da schafft kaum ein Smartphone bessere Werte..
      Wieso, weiß ich allerdings auch nicht..
      Gruß

      • Tim R.

        Ja gut, beim Chrome-Browser ist das verständlich ^^ wundert mich aber auch.. mit dem Samsung-eigenen auf meinem Note 4 komme ich auf kaum über 300ms..

        • thechamp5400

          Chrome ist ziemlich unperformant, auch außerhalb von Benchmarks.

  • Shorty1981

    Hat das G4 jetzt eigentlich eine Theme Engine wie beim Galaxy S6?
    Also wo man z.B ein Dark Theme aktiviert und dadurch dann so gut wie alles auf schwarze Hintergründe mit weißer Schrift umgestellt wird.

    • https://twitter.com/Tesario_DE Tesario

      Mein G2 hatt eine. Ich gehe davon aus, dass das G4 hat auch eine hat.

  • Patrick

    Ich hab ein Lumia 930 und hätte irgendwie Bock auf G4. Wer tauscht mit mir? 😉

    • ralf

      keiner wird mit dir tauschen!

    • thechamp5400

      Was willst du für das 930? 😀

  • OP

    Rundes Gerät, aber vom Design sehr anachronistisch. Sagt mir persönlich gar nicht zu. Aber über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten…

  • Tectone

    Hat das g4 corninglasGas?

    • YB

      Corning gorilla glas 3

  • TechNick

    Franz hab ichs mir doch gedacht 😀
    Du kommst aus dem Regensburger Land. Legionäre sind eindeutig bestes Team :DD

  • Mario Irrelevant

    Wie sieht es mit Hitzeproblemen aus? Mein LG G3 hat es geschafft dadurch den Akku zu zerstören.