LG G Flex 2 Test – Eine krumme Sache

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Im Rahmen der CES 2015 hat LG Electronics mit dem G Flex 2 die zweite Generation seines „Bananen-Smartphones“ vorgestellt. Auch das G Flex 2 kommt wieder mit einem gebogenen Display, die Ausstattung wurde im Vergleich zum Vorgänger aber deutlich verbessert. Lange hat es gedauert, bis das G Flex 2 in Deutschland verfügbar war, seit Ende März kann man es nun aber kaufen. Seitdem haben wir es auch im Test. Schon der Vorgänger hat uns von der Idee her überzeugt, hatte aber insgesamt noch zu viele Schwächen. Ob es LG gelungen ist, diese beim G Flex 2 zu verbessern, erfahrt ihr in unserem ausführlichen Test.

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LG G Flex 2 Test Bilder

Hardware

LG G Flex 2 1

Einer unserer größten Kritikpunkte am Vorgänger waren die extremen Abmessungen. Das sah LG anscheinend ähnlich und deshalb ist das G Flex 2 mit 149mm x 75mm merkbar kleiner. Ansonsten wurde am Design nicht besonders viel verändert. Die Rückseite besteht nach wie vor aus Polycarbonat in Hochglanzoptik und wird von LG als „selbstheilend“ vermarktet. Das tat man auch schon beim Vorgänger, eine wirkliche Weiterentwicklung können wir hier allerdings nicht feststellen. Kleine, oberflächliche Kratzer verschwinden tatsächlich nach einer gewissen Zeit. Aber schon diejenigen Kratzer, die wir mit einem Autoschlüssel testweise verursacht haben, blieben permanent.

LG G Flex 2 12

Der größte Nachteil an der Sache ist allerdings, dass die Rückseite extrem anfällig für Fingerabdrücke ist und das G Flex 2 insgesamt nicht besonders hochwertig wirken lässt. Diesbezüglich hat uns bspw. das G3 deutlich besser gefallen. Die Verarbeitung ist an sich auch ordentlich, nach ein paar Tagen konnten wir aber wieder das ein oder andere Knarzen erhören. Das ist bei der Materialwahl und Bauform aber wohl leider normal.
Ansonsten ist das G Flex 2 7,1mm – 9,4mm dünn und wiegt 152g.

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Einer der größten Vorteile dieses gebogenen Designs ist in unseren Augen definitiv, dass das G Flex 2 unglaublich gut in der Hand liegt und sich dadurch trotz des 5.5″ Displays noch relativ problemlos einhändig bedienen lässt. Da kann selbst das G3 nicht mithalten. Die linke und die rechte Seite sind jeweils blank gehalten. Auf der Oberseite findet ihr dann einen Infrarot-Port, um bspw. eueren Fernseher fernzusteuern und auf der Unterseite den 3,5mm-Klinkenanschluss, sowie den Micro-USB-Anschluss.

LG G Flex 2 3

Ähnlich wie schon beim Vorgänger befinden sich also auch beim G Flex 2 die Lauter/Leiser-Wippe und der Power-Button auf der Rückseite. Designtechnisch ist hier alles sehr stark am LG G3 orientiert.
Nachdem uns das Rear Key Design schon beim G3 sehr gut gefallen hat, hat es uns beim G Flex 2 komplett überzeugt. Nach einer kurzen Eingewöhnungszeit, wollten wir die Tasten auf der Rückseite nicht mehr missen.
Ansonsten befinden sich auf der Rückseite noch die 13 Megapixel Hauptkamera mit einer Dual-Foto-LED und dem vom G3 bekannten Laser-Autofokus. Der Lautsprecher befindet sich ebenfalls auf der Rückseite. Auch wenn wir die Positionierung nicht optimal finden, waren wir von der Klangqualität durchaus angetan. Er ist laut und ausreichend klar.

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Erfreulicherweise kann beim G Flex 2, anders als noch beim Vorgänger, die Akkuabdeckung abgenommen werden. Zum Vorschein kommt der Einschub für eine Micro-SIM und ein Speicherkartenslot. Der 16GB große interne Speicher kann problemlos erweitert werden. Der 3000mAh große Akku, der übrigens auch gebogen ist, ist allerdings nach wie vor fest verbaut.
Auf der Vorderseite befinden sich dann noch eine Benachrichtigungs-LED und die 2,1 Megapixel Frontkamera. Die macht durchaus ansehnliche Selfies. Eine höhere Auflösung wäre hier aber nicht schlecht gewesen.

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Ähnlich wie auch der Vorgänger kann das G Flex 2 problemlos hin- und her-gebogen werden. Hier hört man zwar ein stärkeres Knarzen, wirklich schaden tut es dem Smartphone aber nicht.
Sowohl WLAN- als auch Mobilfunkempfang haben uns im Test sehr gut gefallen. Die Sprachqualität ist ebenfalls ordentlich. Auch hier profitiert man etwas von dem gebogenen Design, da das G Flex 2 einfach besser am Ohr anliegt.
Das LG Flex 2 gibt es momentan mit 16GB an internem Speicher ab etwa 599€.

Display

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Das Besondere am G Flex 2 bleibt aber natürlich das Display. LG verbaut ein 5.5″ großes P(lastic)-OLED-Display, das mit 1920×1080 bei etwa 401ppi auflöst. Anders als noch beim Vorgänger setzt LG diesmal allerdings auf eine PenTile-Matrix. Pro Pixel kommen hier also nur 2 Subpixel zum Einsatz. Im direkten Vergleich mit einem iPhone 6 Plus, das ebenfalls mit Full-HD auf 5.5″ auflöst, sieht man tatsächlich einen leichten Schärfeunterschied zugunsten des iPhones. Wer allerdings keine höheren Auflösungen gewohnt ist, dem sollte die des G Flex 2 im Alltag definitiv ausreichen.

LG G Flex 2 10

Beim Vorgänger haben wir noch die übersättigte Farbdarstellung kritisiert. Das hat man beim G Flex 2 deutlich besser hinbekommen. Der Weißwert ist zwar noch immer ausbaufähig, aber im Vergleich zum Vorgänger ist die Farbdarstellung deutlich akkurater. Auch die Blickwinkelstabilität ist OLED-typisch hervorragend.

LG G Flex 2 16

Wirklich verbesserungswürdig ist aber vor allem die Displayhelligkeit. Ähnlich wie beim Vorgänger gibt es auch beim G Flex 2 an sonnigeren Tagen teilweise Probleme Inhalte vom Display ablesen zu können.
Gerade beim Surfen im Landscape-Mode, beim Betrachten von Bildern oder beim Schauen von Videos kommt noch ein weiterer Vorteil des gebogenen Displays zum Tragen: Es entsteht eine Panorama-Perspektive und teilweise ein leichtes “Kino-Feeling” – das hat uns ebenfalls gut gefallen.

Performance

LG G Flex 2 2

Das LG G Flex 2 kommt mit Qualcomms Snapdragon 810, einem 64Bit Octa-Core-Prozessor, der mit 4×2,0GHz und 4×1,5GHz taktet. Dazu gibt es 2GB Arbeitsspeicher. Zum Marktstart war die Performance nicht wirklich überzeugend. Es gab immer wieder Ruckler und leichte Verzögerungen. Seitdem kamen aber insgesamt 3 Updates, die die Performance deutlich verbessert haben. Mit einem HTC One M9 oder Galaxy S6 kann das G Flex 2 zwar immer noch nicht mithalten und ab und an gibt es noch immer kleine Micro-Ruckler, aber alles in Allem geht die Performance mittlerweile definitiv in Ordnung.

Auch im Chrome-Browser werden Seiten sehr schnell geladen und es gibt keinerlei Probleme beim Scrollen oder bei Pinch-to-Zoom. Selbst mit aufwändigeren Spielen wie bspw. Modern Combat 5 hat das LG G Flex 2 keine Probleme und überzeugt mit ansehnlicher Grafik und starker Performance. Hier ist allerdings zu beobachten, dass das Smartphone merkbar wärmer wird. Das Gleiche passiert auch bei aufwändigen Benchmarks. Wir haben hier zwar nie eine höhere Temperatur als 44 Grad gemessen, das dürfte allerdings daran liegen, dass der Prozessor sich nach einer gewissen Zeit automatisch heruntertaktet.
Ähnliche Probleme hat auch das HTC One M9.

Wie sich das LG G Flex 2 in den bekanntesten Benchmarks geschlagen hat, zeigt die folgende Tabelle:

Galaxy S6 HTC One M9 LG G Flex 2
Quadrant Standard Benchmark 36091 28892 27533
Antutu 67022 48329 49202
SunSpider 1075ms 908,5ms 910,9ms
Peacekeeper: 1066 807 1175

Akkulaufzeit

LG G Flex 2 7

Wie bereits erwähnt, kommt das G Flex 2 mit einem 3000mAh großen und fest verbauten Akku. Beim Vorgänger haben wir noch die starke Akkulaufzeit hervorgehoben, da war der Akku mit 3500mAh aber auch deutlich größer. Dementsprechend waren wir von den Laufzeiten des G Flex 2 leider etwas enttäuscht.

Wir kamen zwar immer gerade so durch den Tag, mehr als drei bis dreieinhalb Stunden Screen-On-Zeit waren allerdings nicht möglich. Die Werte sind vergleichbar mit dem Samsung Galaxy S6. Gerade in Anbetracht der Tatsache, dass das G Flex allerdings mit einer geringeren Displayauflösung und einem größeren Akku als das S6 kommt, hätten wir uns hier aber eben bessere Werte erhofft.

Kamera

LG G Flex 2 5

Die Hauptkamera des LG G FLex 2 hat, wie bereits erwähnt, eine Auflösung von 13 Megapixeln. Die Kamera-UI ist nahezu identisch wie beim LG G3 aufgebaut, also sehr intuitiv und übersichtlich. Auch der schnelle und meist akkurate Autofokus hat uns überzeugt.

Bei guten Lichtbedingungen punktet das G Flex 2 dann mit durchaus überzeugenden Aufnahmen. Die Bilder werden scharf, detailreich und auch der automatische Weißabgleich überzeugt. Meist stimmt also auch die Farbwiedergabe. Teilweise schärft die Software für unseren Geschmack etwas zu sehr nach – das Problem haben aber viele aktuelle Smartphones.

Auch bei schlechteren Lichtbedingungen reiht sich das G Flex 2 vorne mit ein. Hier fiel uns allerdings auf, dass es teilweise Probleme gab, den Fokus richtig zu setzen. Das iPhone 6 Plus oder Samsung Galaxy S6 schneiden hier nochmal besser ab.
Einige mit dem G Flex aufgenommene Bilder findet ihr in der folgenden Galerie:

Software

LG G Flex 2 Homescreen

Das LG G Flex 2 kommt momentan mit Android 5.0.1 und selbstverständlich auch wieder mit LGs hauseigener Benutzeroberfläche. Sowohl von der Optik als auch von den Funktionen gibt es hier eigentlich kaum Unterschiede zum LG G3. Die bleiben wohl erstmal dem G4 vorbehalten.

LG G Flex 2 Notifications

Die UI an sich ist relativ flach und modern gehalten, den Einfluss des Material-Designs sieht man auch hier. Verglichen mit Sense 7 oder Stock Android, wirkt die UI aber doch etwas bunt, überladen und unübersichtlich, vor allem in den Einstellungen. Gut gefallen hat uns die Benachrichtigungsleiste mit ihren vielen Shortcuts und bspw. der Möglichkeit, die Displayhelligkeit direkt zu justieren.

LG G Flex 2 Multi Window

Mit dabei ist auch wieder das bekannte „Double-Tap-To-Wake“ Feature. Durch einen Doppeltipp auf das Display könnt ihr das G Flex 2 im gesperrten Zustand aufwecken und dann entsperren. Durch ein langes Drücken der Zurück-Taste erreicht man das Dual-Window Menü. Von hier aus kann man zwei Applikationen (nicht die selben Apps) nach unten und oben schieben und so zwei Fenster gleichzeitig anzeigen lassen – ähnlich wie wir das von Samsung kennen.

LG G Flex 2 Test Fazit

Unser Fazit zum LG G Flex ist eigentlich ähnlich wie auch schon beim Vorgänger. Uns gefällt das Konzept und unserer Meinung nach hat das gebogene Display auch durchaus seine Vorteile im Alltag. Dazu kommt die wirklich ordentliche Kamera. Schaut man sich dann aber die ganzen Kritikpunkte und den Preis von momentan etwa 600€ an, müssen wir momentan eher vom Kauf abraten.

Für das Geld bekommt man schon ein Galaxy Note 4, was mit dem besseren Display, der bessere Akkulaufzeit, einer noch besseren Cam und dem etwas wertigeren Design punktet. Wenn der Preis des G Flex 2 allerdings ähnlich schnell fällt wie beim Vorgänger, und ihr prinzipiell mit den Nachteilen leben könnt, macht ein Kauf schon deutlich mehr Sinn.

Das LG G Flex 2 überzeugt im Test mit seinem gebogenen Display. Gleichzeitig gibt es aber nach wie vor noch einige Nachteile.
Vorteile
- Gebogenes Display
- Geniales Handling
- Überzeugende Kamera
- Ordentliche Performance
Nachteile
- Akkulaufzeit
- Haptik
- Überladene Software
- Display verbesserungswürdig
77% Tabtech
Bewertung
EUR 599€
Haptik / Verarbeitung 7 Display 8 Kamera 9 Batterie 7 Performance 8 Konnektivität 9 Software 7 Preis / Leistung 6

  • YB

    Das note 4 mit dem G flex 2 zu vergleichen finde ich unnötig und fragwürdig, denn das sind 2 ganz verschiedene geräte. Ist wie der vergleich zwischen einer banane und hundekake

    • http://traceable.de/ Peter

      Es sind zwei Smartphones … also auch vergleichbar. Zwischen der Vorstellung des Note 4 und des LG G Flex 2 lagen auch nur 3 Monate. Wo siehst du nun das Problem?

  • Cyell

    Braucht man evtl. Micro-Ruckler, um die Google-Apps installieren zu dürfen? Samsung hat die, LG auch …