Lenovo ThinkPad Tablet 2 Test – Teures Tablet mit Schwächen

Lenovo ThinkPad Tablet 2

Das Lenovo ThinkPad Tablet 2 wurde auf der IFA 2012 vorgestellt und beim ersten Hands On wusste es zu beeindrucken. Es ist eines der wenigen Windows 8 Tablets mit Intel Atom Prozessor und integriertem Digitizer. Nach langem Warten und einer Verspätung schafft es das Windows 8 Business Tablet, langsam auf den Markt zu kommen. Es gibt keine offiziellen Aussagen, warum es so lange dauert, bzw. gedauert hat. Trotz des hohen Verkaufspreises gibt es viele Interessenten, denn der Digitizer ist unter anderem auch für Schüler bzw. Studenten sehr interessant.

Wer einen Blick in verschiedene Preissuchmaschinen wirft, dem wird klar, dass es viele verschiedene Varianten gibt. Angefangen mit der rund 549€ “günstigen” Wifi-Only Variante mit 32GB, bis hin zum High-End Modell mit 64GB internen Speicher, 3G, Windows 8 Pro und Digitizer. Wer hier zu einer günstigen Version ohne den Zusatz Digitizer greift, sollte allerdings gewarnt sein, denn hier scheint tatsächlich kein nachträglich gekaufter Stylus zu funktionieren.

Wir haben für den Test natürlich zum Modell mit integriertem Digitizer gegriffen und alle Funktionen gründlich getestet. Wie das Lenovo ThinkPad Tablet 2 im Test abschneidet, erfahrt ihr jetzt.

Testgerät: Lenovo ThinkPad Tablet 2 mit 64GB, 3G und Digitizer – Preis ab ca. 799€ bei Amazon
Software: Windows 8 Pro

Lenovo ThinkPad Tablet 2 Test – Video und Bilder

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Hardware:

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Das Lenovo ThinkPad Tablet 2 kommt mit der ThinkPad üblichen, leicht gummierten Kunststoff-Oberfläche daher. Dadurch fühlt sich das Tablet sehr griffig an und wirkt hochwertig und angenehm. Neben dem geringen Gewicht von nur rund 600g (je nach Ausstattung) trägt vor allem die abgerundete linke Seite zu einem sehr guten Halt des Tablets. Hier befindet sich auf der Oberseite des Tablets der Slot für den Stylus. Für das Herausziehen des Stylus wäre sicherlich die rechte untere Seite, ähnlich wie beim Samsung Galaxy Note 10.1, praktischer gewesen. Allerdings möchten wir nicht auf den abgerundeten Rand auf der linken Seite verzichten, denn durch diesen fühlt sich das Tablet ergonomischer an. Das Gehäuse selbst wirkt auf den ersten Blick solide, doch der Schein kann trügen, sodass man das Gehäuse mit etwas mehr Druck eindrücken bzw. gar biegen kann und dabei können Wellen am Display entstehen. Bei normaler Nutzung ist uns das im Test aber kaum aufgefallen.

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Von der Verarbeitung wirkt das Tablet hochwertig. Bei genauerem Hinsehen fanden wir aber einen geringen Spaltunterschied zwischen dem Gorilla Glas und dem Rahmen. Hier konnte sich auch schon etwas Staub ansammeln . Der Spaltunterschied ist allerdings nur an der Stelle unter dem physischen, nicht beleuchteten Windows Button bzw. ober dem Dock-Anschluss zu finden.

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Die Anschlüsse befinden sich auf der unteren und linken Seite des Tablets, während man Slots für eine Micro-SD Karte bzw. der Sim Karte (normal) unter einer Abdeckung auf der Oberseite findet, ebenso wie den Standby Button. Der Audio Anschluss, die Lautstärkeregler sowie der Knopf für die Drehsperre befinden sich auf der rechten Seite. Der Standby Knopf ist eben mit dem Rest des Gehäuses und hätte besser, wie die Lautstärkeregler und die Drehsperre, etwas aus dem Gehäuse herausragen sollen. So kann es vorkommen, dass man kurz nach dem Standby Knopf suchen muss. Das ist aber sicherlich eine Gewöhnungssache, doch wir mussten im Test selbst nach einer Woche noch nach dem Knopf suchen.

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Als Anschlüsse findet man einen Dockanschluss und Mini-HDMI Anschluss auf der Unterseite, wodurch man das Tablet an eine optionale Docking Station anschließen kann. Auf der linken Seite findet man den micro-USB Anschluss sowie einen vollwertigen USB 2.0 Anschluss. Über den Micro USB Anschluss wird das ThinkPad Tablet 2 innerhalb von rund fünf Stunden geladen. Der Versuch, mittels eines Adapters von Micro-USB auf USB, einen USB Stick oder einen externen Datenträger anzuschließen, ist fehlgeschlagen. Über den USB Anschluss kann dafür je nach Belieben eine Maus, ein Keyboard, ein USB Stick oder eine externe Festplatte „mit“ externer Stromversorgung angeschlossen werden. Wir haben beim Test natürlich auch versucht, unsere 2,5 Zoll große externe Festplatte (Western Digitial My Passport) ohne externen Stromzufuhr anzuschließen, allerdings erfolglos. Etwas schade, denn selbst beim Asus Vivo Tab Smart konnten wir diese Festplatte via Adapter erfolgreich anschließen.

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Bei der Verbindung mit unserem WLAN-Netzwerk mussten wir hin und wieder feststellen, dass der Empfang zwischen starker und mittlerer Signalstärke schwankt und das obwohl man sich an gleicher Stelle befindet. Zu einer bemerkbaren Beeinträchtigung führte das bei uns im Test nicht. Falls aber ohnehin ein schwaches Signal vorhanden ist, könnte es durchaus zu Verbindungsabbrüchen kommen. Das könnte aber möglicherweise auf einen Treiberfehler zurückzuführen sein, der in Zukunft durch ein Update behoben wird. Beim Empfang über das 3G Netzwerk konnten wir keine Probleme oder Schwächen feststellen. Das Verbinden mit dem Mobilen Netzwerk geht einfach über die Netzwerkeinstellungen, wo man auch Wlan Netze sucht bzw. ändert.

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Die beiden Lautsprecher sind auf der hinteren unteren und linken Seite integriert. Sie bieten eine gute Soundqualität und eine passende Lautstärke. Durch die Integration in die schrägen Kanten des Gehäuses bieten sie auch noch eine gute Soundqualität, wenn das Tablet auf dem Tisch liegt und durch die Position werden sie auch nicht verdeckt, wenn  das Tablet in der Hand gehalten wird. Lediglich wenn man das Tablet auf den Schoss legt, wird eine Verminderung der Soundqualität zu hören sein.

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Die Kamera-Qualität der hinteren 8 Megapixel Kamera und die Qualität der vorderen 2 Megapixel Kamera sind in Ordnung, wie sich in dem folgenden Testvideo und den Fotos zeigt. Wie auch bei anderen Windows 8 Tablets mit Intel Atom Prozessor müssen wir hier erwähnen, dass das Speichern von Bilder relativ lange braucht.

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Display

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Das 10,1 Zoll IPS Display unterstützt eine Auflösung von 1366 x 768 Pixeln, sowie die Eingabe mit bis zu 5 Punkten. Die Eingabe mittels Finger funktioniert wie gewünscht und der Touchscreen nimmt jede Berührung an.

In Sachen Farben, Blickwinkel und auch Helligkeit zeigt sich das ThinkPad Tablet 2 ebenfalls sehr positiv. Durch das 400 Nits leuchtstarke Display lässt sich das Gerät auch im Freien ohne größere Probleme bedienen und ein Unterschied zu anderen Tablets (z.B. Asus Vivo Tab Smart) mit einem IPS Display mit “nur“ 350 Nits ist klar sichtbar.

Performance und Akkulaufzeit

Wie schon bei anderen Windows 8 Tablets mit dem gleichen Intel Atom Z2760 mit 2GB Arbeitsspeicher darf man sich kein Performance Monster erwarten. Für Office Anwendungen, PDFs betrachten und bearbeiten ist die Performance ausreichend. Selbst ein ca. 300 Seiten großes PDF wird in der Standard Reader Applikation flott geöffnet und die Seiten schnell geladen.

Auch Full HD Videos lassen sich als Flash Videos oder auch im .mkv Format z.B. mit dem VLC Player ohne Probleme wiedergeben. Wer mit dem Tablet hauptsächlich spielen möchte, oder Videos schneiden möchte, sollte besser zu einem Notebook oder Desktop PC mit entsprechender Grafikkarte greifen.

Aufgefallen ist uns die leichte Wärmeentwicklung auf der oberen Rückseite unter Last. Das ist allerdings nicht weiter störend.

Im Vergleich zu den anderen Windows 8 (ohne Pro) Tablets verzeichneten wir teilweise längere Gedenksekunden beim Öffnen des Dateimanagers oder beim Öffnen von Programmen in der alten Desktop Ansicht – und das obwohl wir die gute Werte beim Lesen (80,7 MB/s) und Schreiben (36,14 MB /s) des 64GB (33,1GB frei) eMMC Speichers messen konnten. Wir vermuten aber, dass hier die Treiber noch nicht optimal angepasst sind, denn auch so gab es des Öfteren komplette Blackouts, bei denen das Tablet es nicht erlaubte, etwas zu machen.

Hier findet Ihr einige Benchmark-Ergebnisse im Vergleich mit anderen Windows 8 Tablets:

Lenovo ThinkPad Tablet 2Asus Vivo Tab Smart ME400CAcer Iconia Tab W510Samsung ATIV Smart PCSony Vaio Duo 11 (Intel i3)
PC Mark 714391414130612414017
3D Mark 064594654603704736
Windows-Leistungsindex3,23,23,33,25,5
SunSpider708,7696,1ms720,1ms707,1ms219,2ms
Peacekeeper:4154163734051386

In Sachen Akkulaufzeit zeigt das ThinkPad Tablet wieder einmal seine stärken. Das ThinkPad Tablet 2 sollte laut Hersteller rund 30 Tage im Standby aushalten bzw. 10h durchgehende Wiedergabe eines HD Videos ermöglichen. In unserm Standardtest bei durchgehender Videowiedergabe, eingeschaltetem Wlan und voller Displayhelligket erreichten wir rund 9:22h.

Windows 8 Pro und …

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In Sachen Betriebssystem erhält man bei der teuersten Variante des ThinkPad Tablet 2 Windows 8 Pro anstatt nur Windows 8. Wie schon im Performance Teil geschrieben gibt es manchmal Probleme, sodass sich das Gerät für mehrere Sekunden nicht bedienen lässt. Ansonsten läuft die Modern UI gewohnt flott und auch das Wechseln zwischen den Programmen läuft flüssig. Interessanterweise konnten wir aber nicht jedes Programm ohne Problem installieren. So streikte bei uns eine Installation eines Benchmarks, der sich aber ohne Probleme auf den anderen Windows 8 Tablets installieren ließ.

Neben den Standard Apps von Microsoft gibt es einige vorinstallierte Anwendungen wie z.B. Lenovo Mobile Access, Lenovo Companion, Lenovo QuickSnip, Lenovo Support, Lenovo Quick Launch, Lenovo Cloud Storage, Lenovo Settings, Intel AppUp, Skype, Accu Weather, Amazon Kindle, Skitch, Evernote, Rara.

Ein richtig nützliches Programm zum Bearbeiten von PDF´s ist leider nicht vorinstalliert. Hier muss der Nutzer selbst nach Programmen im Netz oder App Store suchen bzw. seinen Favoriten installieren. Microsoft Office ist wie üblich nicht vorinstalliert und muss ebenfalls erst gekauft werden.

Digitizer

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Tablets mit integriertem Digitizer erfreuen sich großer Beliebtheit. Neben dem Lenovo ThinkPad Tablet 2 haben wir bereits einige Windows 8 Tablets mit integriertem Digitizer gesehen, z.B. das Microsoft Surface Pro, Lenovo ThinkPad Helix, Asus Vivo Tab, Samsung ATIV Smart PC & ATIV Smart PC Pro. Doch bis jetzt haben es nur wenige auf den Markt geschafft.

Gleich wie die meisten der oben genannten Windows 8 Tablets bietet das ThinkPad Tablet 2 einen integrierten Digitizer mit 1024 Level der Druckempfindlichkeit. Die Handflächenunterdrückung funktionierte in unserem Test wie gewünscht und reagierte sobald der Stylus erkannt wird. Der Stylus selbst wird “fast” am ganzen Display präzise und schnell erkannt. Bei unserem Testgerät mussten wir allerdings feststellen, dass der Stylus am Rand nicht mehr genau erkannt wird und so mussten wir im Test des Öfteren neu ansetzen, wenn wir beispielsweise den Scrollbalken am rechten Rand nach unten bewegen wollten. Das Problem scheint auch kein Einzelfall zu sein, wie auch ein anderer Käufer in einer Amazon Kundenrezession vermerkt. Hier sollte jeder selbst entscheiden, wie störend dies für einen sein könnte. Im oberen Testvideo zeigen wir Euch, wie stark die Abweichung ist.

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Doch mit welchen Tools bzw. Applikationen kann man gut Dokumente bzw. PDF´s betrachten und bearbeiten? Dank der vielen Kommentare und Nachrichten konnten wir einige interessante Programme testen und möchten hier natürlich auch das eine oder andere erwähnen. Zum Betrachten von PDFs bietet sich natürlich der vorinstallierte Reader oder Adobe Acrobat Reader Touch an, der kostenlos über den App Store herunterladen werden kann. Wir können hier aber getrost die Windows eigene Reader Applikation empfehlen. Diese bietet im Vergleich mehr Optionen, zum Beispiel zwei Seiten auf einmal anzeigen oder schnelles Hinzufügen einer handschriftlichen Notiz. Zudem scheint es Seiten schneller zu laden als der Acrobat Reader Touch.

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Beim Bearbeiten von PDFs wird es schon etwas schwieriger. Dank unserem Leser Christian haben wir uns das Programm PDF-Annotator  etwas genauer angesehen. Dieses Programm (hier geht es zur Betreiberseite) ist mit einem Preis von 69,95€ bzw. 29,90€ für die Studentenlizenz relativ günstig und kann zudem kostenlos (ohne Registrierung oder Bekanntgabe irgendwelcher Daten) 30 Tage kostenlos getestet werden. Mit dem Programm lassen sich schnell Notizen, Markierungen, Formen, Pfeile und Linien hinzufügen. Die Performance des Programmes am ThinkPad Tablet 2 ist nicht perfekt, sodass unter anderem scrollen ruckelt. Wie man im oberen Video sieht, sollte dies das Arbeiten aber nicht stark beeinträchtigten.

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Doch wie sieht es mit Notizen aus? Hier gibt es das recht bekannte Programm “One Note” von Microsoft. Wir haben die neueste Version aus Office 365 auf dem ThinkPad getestet und die Möglichkeiten sind zahlreich. Notizen können in Handschrift auf Wunsch mit Hilfslinien bzw. Gitternetzlinien in verschieden Größen auf das virtuelle Papier geschrieben werden. Natürlich können so auch Formeln in Freihand dazu gezeichnet werden. Sofern man möchte, kann man das ganze Freihand-Geschriebene in Text umwandeln. Die Konvertierung funktioniert erstaunlich gut, sodass man kein Schönschreiber sein muss. Formeln können ebenfalls in einem eigenen Editor in Freihand geschrieben werden und dann als formatierte Formel eingefügt werden. Natürlich lassen sich auch verschiedenste Stifte mit verschiedenen Farben und Größen verwenden oder gar Formen oder Diagramme zeichnen.

Fazit

Lenovo ThinkPad Tablet 2
Befriedigend
70%
02/2013
Preis: 799€ Das Lenovo ThinkPad Tablet 2 ist ein recht teures Windows 8 Tablet, mit guter Verarbeitung, praktischem Digitizer der leider am Rand ungenau wird.
Vorteile- Akku
- Display
- Verarbeitung
- vollwertiger USB Anschluss
Nachteile- Digitizer am Rand ungenau
- Externe Festplatte ohne externe Stromzufuhr funktioniert nicht
- Software noch nicht optimal angepasst

Das ThinkPad Tablet 2 zeigt sich im Test größtenteils von der guten Seite. Das Display ist gut, die Verarbeitung lässt “fast” nichts zu wünschen übrig, die Akkulaufzeit ist gut und schlussendlich findet man in der teuersten Variante einen Digitizer, der leider am Rand ungenau wird. Das liest sich grundlegend sehr gut, doch Lenovo muss noch an der Software arbeiten, denn diese scheint durch die Hänger und teilweise langen Ladezeiten noch Nachholbedarf zu haben. Warum man an den vollwertigen USB Anschluss keine externe Festplatte ohne externe Stromzufuhr anschließen kann, können wir uns nicht beantworten, schließlich ist das auch bei anderen Tablets mit ähnlicher Ausstattung möglich. Ob das einen Kaufpreis von knapp 800€ Wert ist muss sich jeder selbst beantworten. Wer nach einem Tablet mit mehr Performance und Digitizer Ausschau hält, sollte sich jedenfalls das Microsoft Surface Pro ansehen. Dieses wird wahrscheinlich ab 899€ (64GB) inkl. Full HD Display, Digitizer und Intel Core i5 Prozessor auf den Markt kommen, allerdings ohne 3G und deutlich niedriger Akkulaufzeit.

Haptik / Verarbeitung 7 Display 8 Batterie 9 Performance 7 Konnektivität 8 Software 6