HTC One M9 Test – Eine gelungene Evolution

23.03.2015 10:19 von Franz

„Another year, another One“. So könnte man HTCs Flaggschiff-Zyklus der letzten Jahre ganz treffend beschreiben. 2012 das One XL, 2013 das One M7 und letztes Jahr das One M8. Insofern war es absehbar, dass HTC am 01. März im Vorfeld des MWC in Barcelona das One M9 als sein neues Flaggschiff vorstellen wird. Als dann ein paar Tage zuvor die engültigen Specs, das komplette Design und sogar fertige Produktvideos geleakt wurden, waren viele enttäuscht. Designtechnisch unterscheidet sich das One M9 nämlich kaum von seinem Vorgänger. HTC allerdings ist der Meinung, dass es das auch nicht muss. Man will beim M9 genau die wenigen Punkte verbessert haben, die beim Vorgänger noch kritisiert wurden. Ob das gelungen ist, und ob ihr euch das One M9 ab 31. März für etwa 749€ (UVP) holen solltet, erfahrt ihr in unserem ausführlichen Test.

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HTC One M9 Test Bilder

Hardware

HTC One M9 7

Wie bereits eingangs erwähnt: Optisch unterscheidet sich das One M9 auf den ersten Blick kaum vom Vorgänger. Schaut man allerdings genauer hin, werden doch ein paar Unterschiede deutlich. „Gold on Silver“ heißt die Farbvariante, die dieses Jahr im Mittelpunkt steht. HTC setzt nach wie vor auf einen Aluminium-Unibody. Die Rückseite ist dabei in silber, der Rahmen in dezentem Gold gehalten. Durch ein spezielles Verfahren ist es also gelungen, den Aluminium-Unibody zweifarbig zu gestalten. Auffällig ist auch, dass die Rückseite nicht mehr matt-silber ist, sondern nun auch in gebürstetem Look daherkommt. Optisch hat uns das One M9 definitiv überzeugt. Die Farbkombination klingt auf den ersten Blick zwar etwas unstimmig und extrovertiert, passt im Alltag aber gut zusammen und lässt HTCs neues Flaggschiff erneut wie einen wahren Handschmeichler wirken. Das One M9 wird es allerdings auch noch in Grau und (komplett) Gold geben. Eine pinke Version soll ebenfalls folgen.

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Auffällig ist aber auch das deutlich kantigere Design. Nachdem beim M8 kritisiert wurde, dass es viel zu rutschig ist, erinnert das M9 von den Rundungen her wieder mehr an das M7. Hier sind wir allerdings nicht komplett überzeugt. Das M9 liegt zwar tatsächlich deutlich griffiger in der Hand, da der Rahmen aber ebenfalls aus Metall besteht, wirkt es teilweise etwas scharfkantig. Daran gewöhnt man sich schnell, das M8 lag aber unserer Meinung nach trotzdem angenehmer in der Hand. An der Verarbeitung gibt es übrigens absolut null zu kritisieren. Keine zu großen Spaltmaße, keine wackelnden Tasten und kein Knarzen – besser geht es nicht.

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Mit 145mm x 70mm ist das M9 nur unwesentlich kleiner als der Vorgänger und das ist auch schon unser größter Kritikpunkt am Design. Die Displayränder wurden zwar etwas minimiert, der schwarze Balken mitsamt dem HTC-Logo ist aber noch fast genauso groß wie beim M8. HTC gibt an, dass man diesen Platz unter anderem für die BoomSound-Stereo-Frontlautsprecher benötigt. Wenn man allerdings das Displayoberflächenverhältnis eines LG G3 oder Samsung Galaxy S6 Edge im direkten Vergleich betrachtet, wirkt das One M9 eher wie ein Smartphone aus der Vergangenheit. Nichtsdestotrotz müssen wir die BoomSound-Lautsprecher erneut lobenswert hervorheben. Das Lautsprechergitter ist bei unserem Modell in einem leicht bronzefarbenen Ton gehalten, was sich sehr gut ins Gesamtbild integriert. Die Lautsprecher an sich kommen nun mit Dolby Audio und klingen nochmal etwas „voluminöser und klarer“ als beim Vorgänger. Im Smartphonebereich mit Abstand das Beste, was man momentan bekommt und für all diejenigen, die gerne und oft Musik über die integrierten Lautsprecher hören, ein riesen Pluspunkt.

HTC One M9 3

Ansonsten ist das One M9 9,6mm dünn, was durch das erneut zu den Seiten hin abgerundete Design allerdings deutlich dünner wirkt, und wiegt angenehme 157g. Es kommt nach wie vor mit einem Nano-SIM-Slot und einem microSD-Slot. Der interne Speicher ist auf 32GB angewachsen, wovon ab Werk etwa 25GB verfügbar sind. Auf der Oberseite befindet sich nach wie vor eine große Kunststoff-Aussparung für den Infrarot-Port. Dankenswerterweise ist der Power-Button aber nun endlich nicht mehr auf der Oberseite, sondern rechts platziert. Nach einer kurzen Eingewöhnungszeit kann man diesen hervorragend und schnell erreichen – eine längst überfällige Verbesserung.
Ansonsten kommt das One M9 nach wie vor mit einer Benachrichtigungs-LED, On-Screen-Tasten und einer 4 Megapixel-Frontkamera. Die vom M8 bekannte Ultrapixel-Kamera ist diesmal auf die Vorderseite gewandert. Warum dies eine gute Wahl war, erfahrt ihr im Kamera-Teil weiter unten.

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Auf der Rückseite fällt sofort die neue 20,7 Megapixel Hauptkamera mit einer Blende von f/2.2 ins Auge. Der Sensor soll wohl von Toshiba stammen und wird von der altbekannten zweifarbigen Foto-LED untersützt. Auf die vom Vorgänger bekannte Duo-Kamera hat man verzichtet. Die Kamera ragt etwas aus dem Gehäuse hinaus – zu Kratzern oder dergleichen hat das aber bisher noch nicht geführt. Der nach wie vor fest verbaute Akku hat nun eine Kapazität von 2840mAh. WLAN-Empfang, sowie Mobilfunk-Empfang und Sprachqualität waren auf einem ähnlich hohen Niveau wie beim Vorgänger.

Display

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Auch beim Display gibt es auf den ersten Blick wenig neues. HTC verbaut nach wie vor ein 5″ großes SLCD3-Panel mit einer Auflösung von 1920×1080 bei etwa 441ppi. Die Darstellung ist wie bei den Vorgängern gestochen scharf und einzelne Pixel lassen sich im Alltag nicht erkennen. Wir sind froh, dass sich HTC hier gegen eine QHD-Auflösung entschieden hat.

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Auch Farbdarstellung und Farbkorrektheit sind hervorragend. Die Farben werden relativ intensiv, aber noch immer ausreichend realistisch dargestellt. Hier spielt das One M9 ganz weit vorne mit. Das Gleiche gilt auch für die Blickwinkelstabilität. Es gab in den letzten Tagen Berichte, dass das M9 diesbezüglich schlechter als das M8 sein soll. Wir haben beide Smartphones miteinander verglichen und konnten keinen Unterschied feststellen.

Auch in Sachen Displayhelligkeit spielt das One M9 ganz weit vorne mit. Selbst an sonnigeren Tagen hatten wir nie Probleme Inhalte vom Display abzulesen.

Performance

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Das One M9 kommt mit dem Qualcomm Snapdragon 810, einem Octa-Core-64Bit-SoC mit 4×2,0GHz und 4×1,5GHz. Dazu gibt es 3GB Arbeitsspeicher. Die Performance ist wirklich hervorragend. Apps starten und schließen sehr schnell. Es gibt quasi keine Ruckler und das gesamte Bedientempo ist auf einem konstant hohen Niveau. Das war aber auch beim Vorgänger schon so. Unterschiede bemerkt man hier quasi keine.

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Auch in Sachen Browser-Performance ist das One M9 mit das Beste, was man im Android-Bereich momentan bekommen kann. Die Gaming-Performance hat uns prinzipiell auch überzeugt. Das One M9 überzeugt mit einer tollen Grafik und die Lautsprecher erledigen den Rest. Bei manchen Gameloft-Spielen wie etwa Modern Combat 5 gibt es allerdings momentan noch teilweise Framerate-Einbrüche. Das schieben wir aber eher darauf, dass die Spiele noch nicht für den QSD810 optimiert wurden. Ähnliches konnten wir nämlich auch beim LG G Flex 2 beobachten.

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Viele Diskussionen gab es auch über eine zu starke Wärmeentwicklung beim QSD810. Wir können nur sagen, dass unser Testgerät im Alltag zu keiner Zeit unangenehm heiß wurde. Beim Zocken, beim Installieren von Apps oder beim Schauen von Videos wird das Gerät zwar etwas warm, aber das war schon bei den Vorgängern so und ist bei einem Aluminium-Unibody absolut normal.
Lediglich bei wiederholter Durchführung des „GFXBench-Benchmarks“ wurde unser Testgerät tatsächlich unangenehm warm. Die Displayhelligkeit wurde allerdings nicht heruntergeregelt und zu Performance-Problemen kam es ebenfalls nicht.
Am vergangenen Donnerstag kam dann ein Software-Update, das unter anderem diese Probleme beheben sollte. Seitdem wird unser Testgerät auch beim GFXBench nicht mehr „gefährlich“ warm. Mit einem Infrarot-Thermometer konnten wir Werte zwischen 35 und 40 Grad Celsius messen. Das geht in Ordnung.

Wie sich das One M9 in den bekanntesten Benchmarks geschlagen hat, zeigt die folgende Tabelle:

LG G3 Google Nexus 6 HTC One M9 Moto X (2. Gen) Sony Xperia Z3 Galaxy Note 4
Quadrant Standard Benchmark 23,317 13451 28892 22216 19985 24978
Antutu 32,530 51345 48329 43884 35478 47855
SunSpider 900,8ms 801,3ms 908,5ms 842,0ms 867,4ms 390,9ms
Peacekeeper: 657 1025 807 987 898 1306

Akkulaufzeit

HTC One M9 15

Das One M9 kommt, wie schon erwähnt, mit einem im Vergleich zum Vorgänger etwas vergrößerten 2840mAh-Akku. Wir konnten schon mit dem One M8 relativ gute Laufzeiten erzielen und das One M9 schließt hier an. Besonders auffällig war der extrem niedrige Standby-Verbrauch, aber auch der extrem hohe Verbrauch bei Benchmarks. Ein Durchgang im GFXBench kostet rund 9-10% Akkukapazität, auch mit der aktuellsten Firmware.

Bei unserer alltäglichen Nutzung schafften wir problemlos eine Laufzeit von eineinhalb Tagen. Dabei war die Displayhelligkeit meist zwischen 60% und 80% eingestellt. Die automatische Helligkeitsanpassung stellt das Display für unseren Geschmack immer etwas zu dunkel ein. Einmal schafften wir es auch auf eine Laufzeit von zwei vollen Tagen. Mit einem Sony Xperia Z3 oder Huawei Ascend Mate 7 kann das One M9 also nicht ganz mithalten, es positioniert sich in Sachen Akkulaufzeit aber definitiv im vorderen Mittelfeld.

Kamera

HTC One M9 5

Eine Sache, die bei den Vorgängern in nahezu jedem Test kritisiert wurde, war die Ultrapixel-Kamera bzw. deren geringe Auflösung von nur 4 Megapixeln. Dieses Modul ist beim One M9 nun auf die Vorderseite gewandert. Das sorgt dafür, dass man auch bei schlechteren Lichtbedingungen ziemlich gute Selfies machen kann. Bei guten Lichtbedingungen fiel allerdings auf, dass der Weißabgleich teilweise etwas daneben liegt und die Bilder einen leichten Rotstich haben.
Nichtsdestotrotz zählt die Frontkamera des One M9 zu den besseren auf dem Markt.

Von der Qualität der Hauptkamera waren wir Anfangs etwas enttäuscht. Sie neigte dazu, die Aufnahmen teilweise stark überzubelichten und der Autofokus griff gerne mal daneben. Auch hier sorgt das aktuelle Update allerdings für deutliche Verbesserungen. Die Bilder werden nun kaum mehr überbelichtet und der Autofokus funktioniert auch deutlich zuverlässiger. Im Vergleich zum One M8 fällt vor allem die deutlich bessere Bildschärfe auf. Auch sonst können die Aufnahmen bei guten Lichtbedingungen durchaus überzeugen. Die Farbdarstellung ist relativ neutral und überzeugt in den meisten Fällen. Mit einem iPhone 6 (Plus) kann das One M9 hier aber nicht ganz mithalten und auch die Kamera des Galaxy S6 machte auf dem MWC einen besseren Eindruck.

Schlechtere Lichtbedingungen waren die Paradedisziplin der Ultrapixel-Kamera. Hier enttäuscht die Kamera des One M9 allerdings im direkten Vergleich etwas. Vor allem der fehlende optische Bildstabilisator macht sich hier bemerkbar, denn die Aufnahmen verwackeln oft und die Kamera stellt nicht wirklich scharf.

Einige mit dem One M9 aufgenommene Bilder findet ihr in unserer Galerie:

Software

HTC One M9 Screenshot 5

Das HTC One M9 kommt mit Android 5.0.2 und HTCs hauseigener Benutzeroberfläche Sense in der Version 7. Rein optisch hat sich im Vergleich zu Sense 6 nicht allzuviel verändert. Sense 7 wirkt aber nochmal etwas flacher, schlanker und moderner. Die UI ist sicherlich einer der Hauptgründe für die geniale Performance des One M9.

HTC One M9 Screenshot 4

HTC hat sich aber auch ein paar neue Software-Features einfallen lassen. So gibt es nun komplette Themes, die wirklich den gesamten Look des Systems verändern. Angefangen beim Icon-Design geht das bis hin zu den Einstellungen. Ihr könnt auch eure eigenen Bilder verwenden und auf Basis dieser eigene Themes erstellen. Selbst die Töne können manuell eingestellt werden. In unserem Videotest beschreiben wir das Ganze genauer.

HTC One M9 Screenshot 2

Neu ist auch ein Widget, das in die drei Bereiche „Unterwegs“, „Zuhause“ und „Arbeit“ unterteilt ist. Dem jeweiligen Standort entsprechend könnt ihr hier bestimmte Apps zuordnen. Bspw. die YouTube-App für Zuhause und die Mail-App für die Arbeit. Gebt ihr die genauen Standortdaten einmal an, erkennt das One M9, ob ihr gerade unterwegsm zuhause oder auf der Arbeit seid und passt das Widget dementsprechend an. Im Lockscreen zeigt das One außerdem auf den aktuellen Ort und die Zeit bezogene Infos. Mittags tauchen beispielsweise Essens-Empfehlungen auf.

HTC One M9 Screenshot 1

Des Weiteren ist es nun auch möglich einen vierten Software-Button einzurichten, bspw. um das Gerät zu sperren oder die Navigationsleiste komplett auszublenden. Auch die vom M8 bekannten Motion-Launch-Gesten, über die ihr das M9 bspw. mit einem Doppeltipp im gesperrten Zustand aufwecken könnt, sind wieder mit an Bord und funktionieren nach wie vor besser und schneller als bei allen anderen Konkurrenten.
Insgesamt überzeugt Sense 7 mit seinem schlanken und modernen Look, gleichzeitig aber auch mit einigen nützlichen Software-Neuerungen.

HTC One M9 Test Fazit

Alles in Allem konnte uns das HTC One M9 im Test definitiv überzeugen. Schon der Vorgänger war ein klasse Smartphone und beim M9 hat man ein paar der wenigen Kritikpunkte konsequenterweise verbessert. Der „Wow-Effekt“ bleibt dieses Jahr allerdings definitiv aus. Dazu ist das M9 dem Vorgänger einfach zu ähnlich. Die Veränderungen halten sich dann doch in Grenzen. Dazu kommt, dass die Kamera noch immer nicht ganz vorne mitspielt und das M9 zum Marktstart stolze 749€ kosten wird.

Nichtsdestotrotz bekommt man mit dem One M9 ein wunderschönes, hochwertiges und extrem performantes Smartphone, das außerdem mit einem starken Display und seinen genialen Lautsprechern überzeugen kann. Wir sind trotzdem schon sehr auf das Galaxy S6 (Edge) gespannt. So leicht wie in den letzten beiden Jahren wird es HTC definitiv nicht mehr haben.

HTC One M9
Gut
85%
03/2015
Preis: 749€ Das HTC One M9 überzeugt im Test durch sein hochwertiges Design, die starke Performance und das hervorragende Display.
Vorteile- Haptik & Verarbeitung
- Starkes Display
- Performance
-
- Überragende Lautsprecher
- Akkulaufzeit
- Sense 7
Nachteile- Hoher Preis
- LowLight-Performance
- Vergleichsweise dicke Displayränder

Haptik / Verarbeitung 10 Display 9 Kamera 7 Batterie 8 Performance 10 Konnektivität 9 Software 9 Preis / Leistung 6