Russland: Tablet-Einöde oder Goldgräberland für die Hersteller von Tablets?

Kategorie: Sonstiges

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25.12.2012 - von
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Da es in den kommenden Tagen in Sachen News rund um die Tablets ein wenig ruhiger wird, wollen wir uns in einer kleinen unregelmäßigen Serie mit dem Tabletmarkt außerhalb des deutschsprachigen Raumes befassen. Denn in unseren täglichen Artikeln befassen wir uns vor allem mit den einheimischen Märkten sowie natürlich dem Geschehen in den USA. Doch nicht überall sieht es gleich aus in Sachen der Tablets und Smartlets.

Dass sich der Tabletmarkt weltweit in einem enormen Wachstum befindet, wird insbesondere in Russland deutlich. Denn natürlich ist das Land im Osten unseres Kontinents inzwischen teilweise enorm vom Tablet-Virus befallen. Dies wurde gerade kurz vor Weihnachten besonders deutlich. Denn wo auch immer man in Russland in den vergangenen Tagen hinschaute, es gab nur ein Thema: Das Apple iPad mini. Seit dem 14. Dezember nämlich gibt es zumindest die WLAN-Version in kleinen Mengen in russischen Geschäften zu kaufen.

Dies war vor zwei Jahren selbst in Moskau teilweise noch unvorstellbar. Im Rahmen eines journalistischen Austauschs durfte ich mich nämlich im Dezember 2010 für eine Woche in der russischen Hauptstadt aufhalten. Abgesehen von den riesigen Schneemassen und der Frage, wie mich dieses Flugzeug denn heil wieder nach Deutschland bringen sollte, bewegten mich vor allem die Besuche in zwei Telekommunikationsmärkten. Denn ich bildete mir ein, dort vielleicht das Apple iPad günstiger erwerben zu können als in Deutschland. Immerhin war die erste Generation des Tablets ein gutes halbes Jahr vorher bei uns erschienen. Das Ergebnis: die Verkäufer und Verkäuferinnen in den Läden schauten mich an, als ob ich eine Landung auf dem Mond ordern wollte. Von einem iPad weit und breit keine Spur, einige der Herrschaften hatten von einem iPad noch nicht einmal etwas gehört. Nun mag das sicher nicht für ganz Moskau oder das ganze Land zutreffen, doch einprägsam war dieses Erlebnis dennoch.

Heute, zwei Jahre später stellt sich das Ganze ganz anders dar, auch wenn sich beispielsweise die Apple Tablets auch Ende des Jahres 2012 nicht einfach online ordern lassen bei Apple und auch Amazon in der Russischen Föderation noch nicht angekommen ist. Inzwischen haben aber immerhin die Tablet-Hersteller den russischen Markt entdeckt und auch die einheimischen Firmen wollen ein Stück vom Kuchen abhaben. Allein in diesem Monat Dezember 2012 erschienen neben dem Apple iPad mini einige Tablets. So erblickten die Android-Tablets Digma IDJN, teXet TM-9743W (siehe Bild) oder auch das Perfeo 7777HD in Russland das Licht der Welt. All diese Geräte nach dem Vorbild chinesischer Billig-Tablets wetteifern nun im großen russischen Reich mit den Marktführern wie zum Beispiel Apple und Google. Der Konzern aus Cupertino hat auch iTunes in Russland an den Start gebracht, während Google vor wenigen Tagen erst Google Play im Lande von Wodka, Kaviar und der riesigen Gastfreundschaft veröffentlichte.

Kein Wunder, immerhin verspricht das riesige Russland einen Markt mit über 140 Millionen Einwohnern, also sollte da doch ein großer Bedarf an Tablets vorherrschen und eine Goldgräberstimmung unter den Tablet-Herstellern scheint nachvollziehbar zu sein. In den Metropolen wie Moskau, Sankt Petersburg oder Novosibirsk ist dies teilweise in der Tat so. Hier sind vor allem viele junge Menschen anzutreffen, die mit einem Tablet unterwegs sind. Außerhalb der Großstädte allerdings ist Russland noch immer eine Tablet-Einöde. Dies hat vor allem drei Gründe. Zum einen wissen viele Menschen in dem flächenmäßig größten Land noch nicht einmal etwas mit einem Tablet anzufangen. Zudem ist Russland von einem flächendeckenden WLAN sehr weit entfernt. In öffentlichen Einrichtungen, Gaststätten oder Hotels ist WLAN schon in der Provinz angekommen. Südlich von Rostow am Don oder nördlich von Jaroslawl allerdings dürften nicht viele private Haushalte anzutreffen sein, die in ihrem Zuhause WLAN installiert haben, geschweige denn wissen, was dies überhaupt ist. Über UMTS brauchen wir in der Provinz erst gar nicht zu sprechen, wenngleich hier durchaus Fortschritte zu vernehmen sind.

Das größte Hemmnis in Sachen Tabletwachstum in Russland sind aber sicherlich die Preise. Der Durchschnittslohn in Russland beträgt nämlich rund 580 Euro im Monat. Damit verdient der durchschnittliche russische Arbeiter oder Angestellte etwa ein Viertel im Vergleich zu einem deutschen Beschäftigten. Das iPad mini aber beispielsweise kostet in der Version mit 16 GB in den russischen Länden mindestens 350 Euro, also mehr als hierzulande. Deswegen sagen Analysten aktuell auch nur Verkaufszuwächse von etwa 15 bis 20 Prozent in Russland für die kommenden Jahre voraus. In Deutschland, wo bereits wesentlich mehr Tablets zu finden sind, werden in diesem Jahr beispielsweise rund 50 Prozent mehr Tablets verkauft in diesem Jahr im Vergleich zu 2011. Obwohl also Google, Apple und zahlreiche weitere Tablet-Hersteller inzwischen breiter auf dem russischen Markt angekommen sind und auf das große Geschäft in dem riesigen Land hoffen, wird es wohl noch einige Jahre dauern, bis das Tablet auch in Omsk, Volgograd oder Irkutsk zum Alltag dazugehört.

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