Intel Wireless Display und Miracast bei Tablets

07.12.2012 17:50 von Sven
Wireless Display Android 4.2

Ursprung und Grundlagen

Bei Intel Wireless Display, kurz WiDi, handelt es sich um eine Technologie zur drahtlosen Übertragung von Bildschirminhalten wie Fotos und Videos sowie Mehrkanalton von PCs oder Notebooks auf dafür ausgelegte Bildschirme, Fernseher und Beamer. Verfügt man über kein Wiedergabegerät mit eingebautem WiDi-Empfänger, kann man sich mit einem externen Adapter wie etwa dem Netgear Push2TV behelfen, der über HDMI mit dem Bildschirm verbunden wird. Die Funkverbindung wird direkt zwischen den beteiligten Geräten aufgebaut, ein Router ist also nicht erforderlich (Wi-Fi Direct). Der Stream ist dabei mit der WPA2-Verschlüsselung geschützt.

Die Technologie wurde von Intel auf der CES 2010 vorgestellt und setzt eine Intel CPU der Arrandale-Generation oder neuer, ein ebenfalls von Intel stammendes Centrino WLAN-Modul ab der Serie 6000 sowie mindestens Windows 7 voraus. In der ersten Version von Intel Wireless Display war die maximale Auflösung auf 720p (1.280 x 720 Pixel) beschränkt. Außerdem konnte lediglich der Inhalt des Desktops auf das Wiedergabegerät gespiegelt werden. Ab der 2011 einführten WiDi-Version 2.0 bzw. 1.2 können maximal 1.920 x 1.080 Pixel, also Full HD 1080p sowie erstmals 5.1 Sound und mit HDCP kopiergeschützte Inhalte übertragen werden. Zusätzlich lässt sich das kabellos angesteuerte Display ab Version 2.0 auch als erweiterter Desktop mit eigener Auflösung nutzen.

Letztlich beruht Intel Wireless Display mehr auf speziellen Wi-Fi-Treibern als auf besonderer Hardware. Deshalb kann auch Hardware, auf der eine ältere Version von WiDi läuft, mittels aktualisierter Treiber immer auf den aktuellsten Funktionsumfang gebracht werden. Aktuelle Treiber für WiDi gibt es auf Intels Downloadseite.

Hauptkritikpunkt an Wireless Display ist die verzögerte Darstellung (Lag), die beim Streamen von Filmen kein Problem ist, dafür aber bei schnellen Spielen umso mehr stört. Von anderen Herstellern gibt es vergleichbare Technologien wie beispielsweise Airplay von Apple, die alle zueinander inkompatibel sind. Seit Version 3.5 unterstützt Intel WiDi auch Miracast, dem wir uns im Rest des Artikels widmen.

Von Intel Wireless Display zu Miracast

Spätestens hier wird es jetzt auch für Tablet User interessant: Miracast ist ein offener und damit herstellerübergreifender Standard, der von der Wi-Fi Alliance definiert und zertifiziert wird. Geräte, die das Wi-Fi CERTIFIED Miracast Logo tragen, müssen zwingend diesem Standard entsprechen. Miracast bietet einen nahezu identischen Funktionsumfang wie Intel Wireless Display. Nachdem Intels proprietäre Lösung auch nach mehr als zwei Jahren noch immer nicht sehr weit verbreitet ist und in nur wenige Wiedergabegeräte, meist Fernseher, implementiert wurde, dürfte Miracast sich aufgrund der Unterstützung durch viele große Chiphersteller wie Samsung, LG, Intel, Qualcomm, Nvidia, Marvell und Texas Instruments deutlich weiter und schneller verbreiten. Nvidia z.B. hat angekündigt, dass Miracast durch die bei vielen Smartphones und Tablets verbreitete Tegra 3 Plattform unterstützt werden soll.

Der große Vorteil von Miracast gegenüber bisherigen Lösungen wird sein, dass sich auch Sende- und Empfangsgeräte unterschiedlicher Herstellern problemlos verbinden lassen. Außerdem sollen die oben angesprochenen Lags mit Miracast weitgehen beseitigt worden sein, was die Technik auch für Spieler von Egoshootern interessant macht.

Android 4.2 Jelly Bean bringt Miracast Unterstützung – manchmal

Google hat am 29. Oktober 2012 angekündigt, dass Android 4.2 Jelly Bean Miracast über die Funktion „Secondary Display“ unterstützt. Auf Senderseite sollten eigentlich zumindest die Gadgets, die Anfang Dezember 2012 bereits mit der aktuellsten Version von Android ausgestattet sind, Miracast beherrschen. Das sind neben den Smartphones LG Google Nexus 4 und LG Optimus G noch die Google-Tablets Nexus 7 und Nexus 10. Aber: Die Smartphones sind schwer (Nexus 4) bzw. noch gar nicht (Optimus G) erhältlich. Die beiden genannten Tablets scheinen Miracast trotz Android 4.2 noch nicht zu unterstützen, wie wir ja schon berichtet hatten. Das extrem erfolgreiche Samsung Galaxy S3 ist für Miracast zertifiziert, hier lässt Android 4.2 aber noch auf sich warten. Das Problem scheint zu sein, dass neben der Unterstützung durch das Betriebssystem immer auch spezielle Treiber für die jeweilige WLAN-Chips vorhanden sein müssen, die oft noch fehlen. So muss die Aussage, dass jedes Gadget, das irgendwann einmal Android 4.2 bekommen wird, damit auch Miracast unterstütze, mit einer gewissen Zurückhaltung betrachtet werden. Allerdings erleben wir zurzeit noch die Einführungsphase eines brandneuen Standards, in der solche Widersprüche leider normal sind. Die Richtung stimmt jedenfalls. Wie schnell die konkrete Umsetzung seitens der Hersteller gelingt, bleibt abzuwarten.

Kaum Auswahl bei Miracast-Empfängern

Auf der Empfängerseite sieht es ebenfalls noch dünn aus: Von den angekündigten Dongles, die man einfach in einen HDMI-Anschluss des Wiedergabegerätes steckt, ist auf dem Markt Anfang Dezember 2012 noch nichts zu entdecken. Die einzige externe Box, die explizit mit Miracast-Unterstützung beworben wird, ist die Push2TV PTV3000 von Netgear, die aber noch nicht lieferbar ist. Denkbar ist, dass auch ältere Boxen, die eigentlich als Empfänger für Intel Wireless Display gedacht sind, per Firmwareupdate Miracast-fähig werden. Ein Beispiel ist hier der Belkin Screencast TV/PC Adapter für knapp 55 Euro. [Amazon-Link] Terry Poulin hat bei Google+ eine Liste mit Miracast-Hardware gepostet.

Miracast auch für ältere Geräte?

Theoretisch sollte sich jedes Gerät mit WLAN, also neben Tablets und Smartphones auch entsprechende Fernseher, PCs, Note- und Ultrabooks softwareseitig auf Miracast nachrüsten lassen – die Frage ist, ob die Hersteller ein Interesse daran haben, ihre schon verkauften Geräte zu verbessern oder die Kompatibilität lieber neuen Geräten vorbehalten, um so ein zusätzliches Verkaufsargument zu haben, was leider viel wahrscheinlicher ist. Samsung und Sony jedenfalls haben bereits neue, Miracast-kompatible Fernseher angekündigt.

Die Miracast-Dongles sollten sich langfristig auf dem Preisniveau von herkömmlichen WLAN-Dongles einpendeln, die schon ab 15 Euro zu haben sind, denn die verbaute Technik ist im Wesentlichen identisch. Gerüchte im Netz besagen, dass im Play Store demnächst ein Dongle mit Nexus-Label zu haben sein wird.

Vorsicht ist angesagt

Wie oft bei neuen Standards erfüllen nicht alle Geräte, die im Verkauf mit Miracast in Zusammenhang gebracht werden, auch tatsächlich in vollem Umfang den Standard der Wi-Fi Alliance. Hat man etwa ein Nexus 4 oder ein anderes Miracast-Sendegerät, sollte man sich keinesfalls blindlings auf den erstbesten Adapter stürzen, der vom Verkäufer als Miracast-kompatibel bezeichnet wird. Einige Hersteller haben bereits Geräte auf den Markt geworfen, die noch vor der endgültigen Verabschiedung des Standards entwickelt wurden. Eine Liste mit für Miracast zertifizierten Geräten gibt es auch auf der Seite der Wi-Fi Alliance. Generell ist es sicher eine gute Idee, noch bis Anfang 2013 zu warten und beim Kauf auf das offizielle Logo Wi-Fi CERTIFIED Miracast zu achten.