Die Spanier und ihre No Names Tablets – Namen sind im Süden Europas nur Schall und Rauch

Spanischer Onlinehändler PCComponentes Start Tablets
26.12.2012 - von Stefan

Am heutigen Feiertag wollen wir die ruhige Newslage dazu nutzen, um uns den Tabletmarkt in Spanien vorzunehmen und Euch näher zu bringen. Nachdem wir uns gestern dem russischen Markt gewidmet haben, geht es heute also in den Süden Europas. Hier haben wir uns in den vergangenen Wochen einmal näher umgesehen, nachdem uns Spanien vor wenigen Wochen in Sachen Tablets etwas verblüfft hat.

Während nämlich in Deutschland laut einer Studie von eMarketer 17 Prozent der Online User mit einem Tablet unterwegs waren, sieht dies in Spanien beispielsweise anders aus. Hier ist nämlich bereits jeder fünfte Online User mit einem Tablet anzutreffen. Zudem sollen es im Jahr 2016 laut der Studie in Spanien 47 Prozent sein, hierzulande maximal 40 Prozent. Während es Einschätzungen gibt, wonach Tablets in Spanien eben von mehreren Haushaltsmitgliedern genutzt werden, während in Deutschland jeder sein eigenes Tablet nutzt, konnten wir ganz andere Erfahrungen machen.

Nach unseren Beobachtungen scheint es nämlich so zu sein, dass die Tablets einerseits auch auf dem Lande mehr angekommen sind als in Deutschland, während zudem das Tablet in wirklich allen Altersklassen Zugang im Süden Europas findet. Darüber hinaus gibt es auch in Sachen der gekauften Geräte deutliche Unterschiede. Während im deutschsprachigen Raum ein Hype um das Apple iPad 4, das Google Nexus 7 und 10 oder auch das Apple iPad mini entstanden ist, spielten diese Tablets in Spanien nicht überall eine Rolle. Hier sind es auch die China-Tablets für 70 oder 80 Euro, die weiter verbreitet sind als in Deutschland oder Österreich. Zudem stehen die Spanier auch auf die einheimischen Tablets.

Während weltweit beispielsweise Apple mit seinem iPad Marktführer bei den Tablets ist, sieht das in Spanien ganz anders aus. Den wenigen vorliegenden Statistiken zufolge liegen die Android Tablets hier bei Marktanteilen von über 80 Prozent. Beispielsweise gibt es auch Statistiken, wonach das einheimische Tablet bq Verne Plus das meistverkaufte Tablet überhaupt in Spanien sein soll. Auch die anderen Tablets des Herstellers wie die bq Maxwell Serie, das bq Kepler, das bq Curie oder aber das bq Pascal Lite sind Renner in Spanien. Viele von Euch werden die bq Tablets sicher genauso „gut“ kennen wie das Primux Siroco 3, das Woxter TB26, das MioMundo oder das Primux Zonda 2. Diese, so wie drei weitere No Name Tablets, finden sich nämlich seit Wochen in den Top 30 der Amazon Tablet-Verkaufscharts in Spanien – neben Samsung Tablets und den bei Amazon obligatorisch top gelisteten Kindle Fire Produkten. Ein Blick in die deutschen Verkaufscharts bei Amazon zeigt da ein ganz anderes Bild.

Der Grund hierfür liegt natürlich schnell auf der Hand und ist insbesondere im Lieblingswort vieler Spanier dieser Tage erklärt: Crisis. Denn die Wirtschaftskrise, die Spanien ganz besonders getroffen hat, muss seit Monaten beim Großteil der Bevölkerung als Erklärung für viele Dinge herhalten. Beispielsweise verzeichnen die Sportclubs, die privaten Fremdsprachenlehrer und allen voran die Händler in Spanien seit Monaten sinkende Mitglieder-, Kunden- und Umsatzzahlen. Der Grund? Die Crisis! Wer nun aber denkt, für das Tablet ist überhaupt kein Geld mehr da, der irrt. Ein Tablet wird bei immer mehr Menschen auch in Spanien ein Muss.

Die beeindruckendste Erfahrung konnte ich hierbei vor wenigen Wochen in Barcelona machen. In einer Kneipe saßen da drei ältere Herrschaften – alle so um die 60 Jahre alt – an einem Tisch zusammen. Während diese an einem deutschen oder österreichischen Stammtisch mit Skatkarten oder diskutierend anzutreffen gewesen wären, war dies in der spanischen Metropole ganz anders. Alle drei alten Herren (!) saßen mit ihrem Tablet da und es wurden Informationen in Sachen des kommenden Spiels des FC Barcelona ausgetauscht. War dies schon amüsant genug, so wurde es wenige Minuten später noch irrsinniger. Es tauchte nämlich der – dem Alter nach wohl noch in der Lehre befindliche – Koch aus der Küche auf, natürlich mit Tablet in der Hand, und zeigte den Männern stolz den von ihm gefundenen Link für einen Livestream für das nächste Barca-Match. Ganz ehrlich: wie oft habt Ihr ein ähnliches Szenario in deutschen Kneipen gesehen?

Diese Szene ist stellvertretend für viele Fakten mit Blick auf den spanischen Tablet-Markt. Die Tablets sind hier genauso begehrt wie bei uns, jedoch auch über alle Altersschichten hinweg. Es wird nur weniger ausgegeben. Wie uns unabhängig voneinander drei Beschäftigte bei Elektronikmärkten, beziehungsweise in Elektronikabteilungen von großen Supermärkten in Spanien, bestätigten, sind die Tablets immer mehr im Blickfeld der Kunden. Besonders interessant ist hierbei die Aussage einer Beschäftigten von Carrefour in Madrid. In diesem Geschäft nämlich interessiert sich kaum ein Mensch für die Windows 8/RT Tablets oder das iPad. Die großen Renner hier: Das Coby Mid7031 für knapp 80 Euro und das Yarvik Luna für 90 Euro. Diese 7 Zoll Android Tablets laufen bei deutschen Usern vor allem in der Rubrik China-Schrott. Nicht so in Spanien, hier sind Marken Schall und Rauch. Unwichtig ist hier auch wie viel RAM ein Tablet hat oder ob der interne Speicher per microSD-Karte erweitert werden kann. Wichtigste Frage hier laut unseren Fachkräften: „Kann das Tablet ins Internet?“!

Dies zeigt sich auch mit einem Blick zu den Online-Händlern. Wer hierzulande die Versandhändler ansteuert und die Tablet-Produktkategorie öffnet, der wird in der Regel sofort mit den Hype-Geräten bombardiert. Nicht so in Spanien, hier müssen Geräte wie das Apple iPad 4 oder das Google Nexus 7 gesucht werden, denn hier werden einem zunächst die günstigsten China- und Spanien-Tablets gezeigt, die Renner im Süden Europas eben. Denn das geringe Budget und das fehlende Markenbewusstsein hieven andere Tablets an die Spitze der Bestseller als in Deutschland. Eine 99 Euro/Dollar Version des Google Nexus 7 Tablet? Zu teuer für viele Spanier!

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