Die Schattenseite des Tablet-Booms: Hersteller in Not, Mitarbeiter ohne Job

08.02.2013 - von Stefan
Firmenverluste Tablet Boom Schattenseite

Tagtäglich berichten wir auf Tabtech über neue Tablets und Smartlets und vermelden die heißesten Gerüchte. Das ständige Anwachsen der News-Menge, unsere größer werdende Redaktion und natürlich nicht zuletzt die jeweils aktuellen Marktzahlen machen deutlich, dass die Tablets immer mehr Verbreitung in unserer Gesellschaft finden. Während dies eine Reihe von Firmen mit Rekordzahlen jubeln lässt und andere mit teilweise skurrilen Produkten profitieren, gibt es allerdings nicht nur Gewinner des Tablet-Booms. Gerade in diesen Tagen wird dies besonders deutlich.

Spätestens wenn die Jahreszahlen vorliegen, folgen meist nicht nur die Veröffentlichungen der bloßen Zahlen, sondern meist auch mitunter ungeliebte Handlungen. Wenig überraschend konnten wir erfahren, dass der Tablet-Boom sich negativ auf die Verkaufszahlen der Desktop-Rechner auswirkt. Bei Firmen wie HP, Dell oder Fujitsu macht sich dies natürlich besonders bemerkbar, zumal diese Hersteller auf dem Tablet-Markt keine Rolle spielen und zu sehr vom Geschäft mit dem herkömmlichen Computer und den Laptops abhängig sind. Die Folgen der Umsatzrückgänge und damit verbundenen Unternehmensverluste hinterlassen nun auch deutlich in Deutschland ihre Spuren. Indirekt kostet der Tabletboom nämlich viele Menschen hierzulande ihren Arbeitsplatz.

So hat beispielsweise der japanische Hersteller Fujitsu angekündigt, aufgrund der Verluste weltweit 5.000 Stellen zu streichen. Auch in Deutschland wird es zum Verlust von Arbeitsplätzen kommen, wobei die genaue Höhe der Streichungen in Augsburg, München oder Paderborn noch unbekannt ist. Als einen der Punkte für den deutlichen Verlust von 620 Millionen Euro im dritten Geschäftsquartal des laufenden und im März endenden Geschäftsjahres gab Fujitsu auch den Einbruch im regulären PC-Geschäft und den Wachstum der Tablets an. Hier jedoch spielt das Unternehmen bekanntlich keine wirkliche Rolle. Ähnlich auch die Situation bei Hewlett-Packard. Denn auch HP spielt nach seinem Zick-Zack-Kurs in Sachen PC-Sparte auf dem Tablet-Markt praktisch keine Rolle. Die Folge: auch hier werden Stellen gestrichen, der Standort Rüsselsheim mit 1.100 Arbeitsplätzen beispielsweise wird ausradiert. Zwar wurden keine direkten Kündigungen von beiden Firmen offiziell vermeldet, letztendlich wird aber sicherlich nicht jeder Mitarbeiter aufgefangen werden.

Emirates HP ElitePad 900 Windows 8 300x193 Die Schattenseite des Tablet Booms: Hersteller in Not, Mitarbeiter ohne Job

Doch nicht nur die PC-Hersteller selbst, die kein Bein auf den Tablet-Markt bekommen haben, bekommen in diesen Tagen deutlich Gegenwind zu spüren. Auch manch ein Komponenten-Hersteller ist von der Situation betroffen. Ein Beispiel hierfür ist der Chiphersteller AMD. Aufgrund des schwachen PC-Marktes schrieb der Halbleiter-Spezialist ebenfalls rote Zahlen im letzten Quartal 2012. Ähnlich wie bei HP und Fujitsu liegt der Fall auch bei diesem Unternehmen. AMD spielt bislang auf dem Tablet-Markt keine Rolle und fuhr deswegen von Oktober bis Dezember 2012 einen Verlust von 473 Millionen Dollar ein. Der Umsatz ging im letzten Quartal des Vorjahres um 32 Prozent im Vergleich zum Weihnachtsquartal 2011 auf 1,16 Milliarden Dollar zurück. Im kompletten Jahr 2012 stand letztendlich ein Verlust von 1,18 Milliarden US-Dollar. Logische Folge auch hier: Stellenstreichungen.

Während es für HP und Fujitsu nach jetzigem Stand kaum vorstellbar erscheint, dass diese beiden Unternehmen schnell bedeutende Marktanteile auf dem Tabletmarkt erzielen können, scheint AMD immerhin theoretisch der Zugang zum Kuchen der Marktanteile bei den Tablets eher möglich zu sein. Bislang allerdings fehlt nach wie vor jede Spur von einem neuen Tablet mit dem Hondo-Chip. Vielleicht gibt es hierzu ja beim MWC 2013 in Barcelona Neuigkeiten.

Während bei den genannten Bereichen das Verschlafen eines Trends als Grund für die schwerwiegenden Folgen und die Arbeitsplatzverluste angesehen werden kann, hat der Tablet-Boom andere Firmen ganz unverhofft getroffen. Bestes Beispiel hierfür ist Logitech. Schließlich ist der Hersteller auf Computermäuse spezialisiert und bekommt somit den Tablet-Boom und das deutliche Minus bei den klassischen Computern ebenfalls kräftig zu spüren. Denn iPad, Galaxy Pad, Surface und Co. brauchen nun mal keine Maus. So musste Logitech in seinem dritten Geschäftsquartal nun 195 Millionen Dollar Verlust melden. Von Oktober bis Dezember 2011 standen noch 55 Millionen US-Dollar Gewinn. Zwar will sich Logitech von Produkten wie Fernbedienungen oder Lautsprecher trennen, mit Blick auf den zu erwartenden noch größeren Tablet-Boom bleibt aber abzuwarten, wie es um den Maus-Hersteller in der Zukunft bestellt ist.

Ähnlich wie den aufgeführten Firmen könnte es natürlich zahlreichen weiteren Unternehmen gehen, die nicht unmittelbar auf dem PC-Sektor aktiv sind. Dazu zählen beispielsweise auch Software- und Spieleschmieden – im Gegensatz übrigens überraschenderweise zu Firmen aus dem Drucker-Umfeld. Dies wurde in diesen Tagen am Beispiel Electronic Arts deutlich. Denn der Spielehersteller aus den USA verzeichnete im Schlussquartal 2012 einen Verlust von 45 Millionen US-Dollar. Wenngleich für den Verlust das schleppende Weihnachtsgeschäft und das Scheitern des Shooters Medal of Horror als Hauptursachen gelten, so zeigt ein Blick auf die detaillierten Zahlen bei EA die Richtung auf. Denn FIFA 13 beispielsweise konnte als erster EA-Titel der Reihe im digitalen Bereich die Umsatz-Marke von 100 Millionen US-Dollar übertreffen. Sollten die Spielehersteller ebenfalls den Trend zum Fokus auf den digitalen Markt verschlafen, drohen hier die nächsten Firmen am Tablet-Boom zu scheitern.

Bleibt zu hoffen, dass wir in den kommenden Wochen und Monaten nicht noch mehr Stellenstreichungen und Firmenturbulenzen aufgrund des Tablet-Booms zu sehen bekommen.
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