Apple: Analysten-Befriedigung durch iPad 4 mit 128 GB?

05.02.2013 - von Stefan
Apple iPad 4 4-imp

Seit dem heutigen Tag gibt es im Apple Store das iPad 4 mit 128 GB. Dies hatte der Hersteller aus Cupertino ja in der vergangenen Woche angekündigt – nur kurze Zeit nach den ersten Gerüchten. Für die WLAN-Version werden stolze 799 Euro fällig, während die UMTS-Variante satte 929 Euro kostet. Wie die restlichen Versionen auch, gibt es die neue Version des iPad 4 in schwarz und weiß. Soweit so gut – doch schon alleine diese vier Sätze werfen eine Menge Fragen auf. Insbesondere der Sinn des iPad 4 mit 128 GB muss doch sehr deutlich hinterfragt werden.

Gleich zu Beginn gesagt geht es nicht darum, subjektiv auf Apple einzuprügeln, dieses Feld will ich doch lieber anderen überlassen, die darin Routine haben – wenngleich an dieser Stelle aktuell auch nach dem „öffentlich-rechtlichen Bildungsauftrag“ gefragt werden darf – der blödsinnige Biertest und das “Surface von Windows” erheitern unsere Redaktion noch heute. Dies aber nur am Rande. Da ich selbst iPad 4 Besitzer bin und nicht viel daran zu meckern habe, fällt es mir nicht immer einfach, in Sachen Apple objektiv zu bleiben. Was sich Tim Cook und Co. aber beim iPad 4 mit 128 GB gedacht haben, bleibt doch ein großes Rätsel. Auch bei genauer Betrachtungsweise kann die neueste Ausgabe des iPad wohl nur als Analysten-Befriediger bezeichnet werden. Denn mal ehrlich, wie viele gewöhnliche User brauchen mehr als 64 GB Speicher auf dem Apple-Tablet?

Beim Blick auf die aktuellen Chip-Preise und der jüngsten Unzufriedenheit der Analysten, kann eigentlich nur ein Zusammenhang hergestellt werden: Apple steht gewaltig unter Druck und versucht nun, die Finanzwelt mit dem iPad 4 mit 128 GB zu besänftigen. Apple steht bekanntlich grundsätzlich im Verdacht, für seine Produkte saftige Preise zu nehmen. Allerdings scheint dies beim 128 GB iPad 4 besonders der Fall zu sein. Denn beim Blick auf die Chip-Preise wird schnell deutlich, dass laut mehrerer Experten wie IHS für ein GB rund 40 Cent fällig werden. Somit kostet die neue Version des iPad also rund 25,50 Euro mehr als die 64-GB-Variante in der Herstellung. Dafür nimmt der Konzern aus Cupertino aber stolze 100 Euro mehr. Macht also einen zusätzlichen Brutto-Ertrag von runden 75 Euro. Ansonsten bleibt die Ausstattung des neuen Modells bekanntlich gleich. Ein sonderliches Plus an Marketingkosten dürfte auch nicht anfallen. Trotzdem wird sich auch dieses iPad sicherlich sehr gut verkaufen und die Kassen des Tablet-Marktführers klingeln kräftig weiter – vielleicht dank iPad 4 mit 128 GB sogar zur Freude der Analysten.

Ob Apple allerdings mit der gegenwärtigen Strategie langfristig auf der richtigen Spur ist, darf doch bezweifelt werden. Denn das iPad 4 mit 128 GB zeigt auch einmal mehr auf, dass die Innovationskraft des Konzerns, die beispielsweise mit der Einführung von iPhone und iPad gewaltig war, doch ziemlich aufgebraucht scheint. Anstatt neue Duftmarken zu setzen, zog Apple zuletzt mit dem iPad mini sogar einem Trend hinterher, wo doch einst die Trends vom Marktführer gesetzt wurden. Keine Frage verkauft sich auch das iPad mini bestens, wäre es jedoch vor dem Google Nexus 7 und Co. auf den Markt gekommen, hätte sich Apple sicherlich noch mehr die Hände reiben dürfen.

Anstelle eines iPad 4 mit 128 GB für die „zahlungskräftigen“ Märkte wäre Apple vielleicht sogar mit einem Billig-Tablet für die Schwellenländer mehr zum Erfolg gekommen. Auch dies wäre sicherlich nicht allzu innovativ gewesen, aber noch erfolgsversprechender unserer Einschätzung nach als das jetzt veröffentlichte Gerät. Sollte Apple tatsächlich keine Innovationen mehr parat haben und weiter stagnieren, droht dem aktuellen Marktführer in Sachen Tablets ein ähnlicher Werdegang wie BlackBerry oder gar Nokia. Die Finnen galten einst als unantastbar als Marktführer auf dem Handy- und Smartphonesektor, spielen heute aber keine Rolle und müssen hoffen, dass Windows Phone den Erfolg zurück bringt. Falls aber das iPad 4 mit 128 GB eine neue Messlatte in Sachen Innovationsfreude darstellt, darf sich die Android-Armada freuen – genauso wie vielleicht die Windows-Tablet-Front, wenn sie es denn schafft, die Geräte in großer Stückzahl auf den Markt zu bringen.
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